Wenn Schönheit Tieren weh tut …

Fachgespräch zur Qualzuchtproblematik bei Heimtieren

BTK Berlin (22.03.2017) Angeregt durch die Bundestierärztekammer fand am 14. März 2017 im Bundestag das Fachgespräch „Wenn Schönheit weh tut – Qualzuchten bei Hund, Katze und Co.“ statt.
© C. Pfister
(BTK/Berlin) Angeregt durch die Bundestierärztekammer, die vor dem Hintergrund eines Beschlusses des Deutschen Tierärztetages im Juli 2016 die Arbeitsgruppe „Qualzuchten“ konstituierte, fand am 14. März 2017 im Bundestag das Fachgespräch „Wenn Schönheit weh tut – Qualzuchten bei Hund, Katze und Co.“ statt. Auf Einladung der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen diskutieren mit Gastgeberin Nicole Maisch, Tierschutz- und Verbraucherpolitische Sprecherin der Bündnis-Grünen im Bundestag, Frank Meuser, Leiter des Hauptstadtbüros des Deutschen Tierschutzbundes e.V., der Rechtsanwalt Dr. Christoph Maisack aus dem Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg, Jörg Bartscherer, Geschäftsführer des Verbands für das Deutsche Hundewesen, Diana Plange, Fachtierärztin für Tierschutz und Tierschutzethik in Berlin sowie Dr. Friedrich Röcken, Leiter der AG Qualzuchten der Bundestierärztekammer und Fachtierarzt für Kleintiere aus Schleswig.

Ein interessantes Gespräch, bei dem es sich vor allem um eine Bestandsaufnahme der Problematik handelte. Einig waren sich die Podiumsteilnehmer wie auch die zahlreichen Gäste aus der Tierärzteschaft und von diversen Tierschutzorganisationen, dass es längst überfällig ist, dieses Thema – angefangen bei den brachycephalen Hunde- und Katzenrassen – anzugehen. Dabei müssten vor allem die Zuchtorganisationen wie der Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) in die Pflicht genommen und auch „heilige Kühe“ wie der Rassestandard kritisch überprüft werden. Auch das Einkreuzen von Fremdrassen dürfe kein Tabu mehr sein, um wieder gesunde Tiere zu züchten. Des Weiteren müssten Kriterien für die Beurteilung gesunder Rassevertreter etabliert werden, die über den momentan bei der Zuchtzulassung vom VDH geforderten Belastungstest hinausgingen. Außerdem sollte es ein Ausstellungsverbot für übertypisierte Hunde und Katzen geben, die zwar keine Zuchtzulassung besitzen, auf Rasseschauen jedoch vorgeführt und sogar prämiert werden können.

Im Ergebnis der Veranstaltung waren Referenten und Anwesende einig darüber, dass Qualzuchten bei Haus- und Heimtieren verboten bzw. die Zucht solcher Tiere viel strenger und häufiger geahndet werden müsse, da § 11b des Tierschutzgesetzes Qualzuchten bereits grundsätzlich verbietet. Momentan ist der Paragraph 11b jedoch reine Auslegungssache, eine Prozessvorbereitung sehr zeit- und arbeitsintensiv und die Personaldecke in den Veterinärämtern dafür viel zu dünn. Parallel zu einer geforderten Überarbeitung des Qualzuchtgutachtens ist es notwendig, noch viel mehr Aufklärungsarbeit bei den Züchtern und Liebhabern zu machen und auch weiterhin die Film- und Werbebranche für die Problematik zu sensibilisiere, um die mediale Darstellung der betroffenen Rassen zu minimieren.
Das Engagement der Bundestierärztekammer wurde sehr gelobt. Hier besonders auch die Anschreiben an Firmen, die mit Mops & C. werben. Nun wird seitens der AG Qualzuchten der nächste Schritt angegangen: Die Erstellung von Checklisten zur Beurteilung von Qualzuchtausprägungen als Hilfestellung für amtliche Tierärzte sowie die Zusammenstellung von Ansprechpartnern für Kollegen in der Überwachung.
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