Kobold aus den Anden

Bundestierärztekammer gibt Tipps zur Haltung von Degus

BTK Berlin (02.04.2014) Der Degu, ein ursprünglich aus den südamerikanischen Anden stammender Vertreter der Nagetiere, erfreut sich als Heimtier immer größerer Beliebtheit. Was man bei der Haltung der munteren Gesellen beachten sollte, lesen Sie in unserem Tierhaltertipp.
© C.Pfister
Was ist denn bloß ein Degu? Bei dieser Frage kämen garantiert einige Kandidaten in Günther Jauchs beliebter Sendung ins Schwitzen. Des Rätsels Lösung: Der Degu ist ein Nagetier und sieht aus wie eine Kreuzung aus Springmaus, Kaninchen und Ratte – braunes Fell, runde Mausohren, langer behaarter Schwanz mit einer borstigen Quaste am Ende. Degus hüpfen flink, sind geschickte Klettermaxen und leben ursprünglich in den kargen Felsgebieten und Gebirgssteppen der chilenischen Anden. Zoologisch gesehen gehört der Degu nach neuerer Klassifizierung in die Stachelschweinverwandtschaft, genauer gesagt zu den sogenannten Trugratten. Mit den echten Ratten hat der possierliche Nager aber nicht viel gemein.

Degus sind tagaktiv und sehr gesellig, das macht sie zu beliebten Heimtieren. Um die Tiere, die vier bis sechs Jahre alt werden, artgerecht zu halten, muss man aber einiges beachten: So ist für sie die Gemeinschaft lebenswichtig, ein einzeln gehaltenes Tier verkümmert rasch, darum müssen mindestens zwei Degus Einzug halten“, erklärt Dr. Thomas Steidl, Kleintierpraktiker und stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Kleintiere der Bundestierärztekammer.
Bei intensiver Beschäftigung werden Degus schnell zahm, sie sind aber keine Streicheltiere und für Kinder eher ungeeignet. Und eines sollte ein Degu-Besitzer immer tunlichst vermeiden: Seine kleinen Lieblinge am Schwanz festzuhalten! „Um zu entkommen, zappelt der Bursche so lange, bis die empfindliche Schwanzhaut abreißt und das Schwanzende skalpiert zurückbleibt. Das nackte Schwanzstück trocknet ein und wird vom Degu später abgebissen oder fällt von selbst ab, doch anders als bei Eidechsen wächst ihm kein neuer“, warnt Steidl.

Hier einige Tipps zur artgerechten Haltung von Degus:

• Am besten ein Männchen mit mehreren Weibchen halten, die Männchen aber unbedingt kastrieren lassen! Degus werden schon mit drei Monaten geschlechtsreif, die Weibchen sind alle zwei Wochen in Paarungslaune und bringend durchschnittlich fünf Junge zur Welt.

• Degus sind Nagetiere im besten Sinne. Kaum ein Material, das ihren Zähnen standhält; der Käfig (mindestens 100x50x100 cm) darf darum keine Plastikwanne als Unterteil haben, besser sind Blechverkleidungen; ideal als Käfig ist ein großes Glasaquarium mit Drahtgitter oder eine Konstruktion aus Glas und Draht; auch Futtergefäße müssen „bissfest“, also am besten aus Keramik sein.

• Zum „Käfigmobiliar“ gehört ein Schlafhäuschen, eine kleine Heuraufe; außerdem Äste, dicke Wurzeln oder Steine, denn Degus klettern gern. Auch Wasser sollte zur Verfügung gestellt werden.

• Wichtig: Degus brauchen ihr tägliches Sandbad, dafür eine flache Keramikschüssel mit Terrariensand in den Käfig stellen; als Einstreu in den Käfig eignen sich Hobelspäne oder handelsübliche Kleintierstreu.

• Grundbestandteil des Futters ist Heu, zusätzlich können spezielle Degu-Pellets, frische Gräser und Kräuter wie Löwenzahn und Wegerich oder Gemüse wie Karotten, Chicoree, Kohlrabi sowie ungespritzter Salat und frische Zweige (Obstbaum, Hasel, Birke, Weide) als Ergänzung gegeben werden. Degus sind übrigens „Süßschnäbel“, sie lieben handelsübliche Leckerlis oder Trockenfrüchte. Wegen des hohen Zuckergehalts sollte man damit aber sparsam umgehen, die Tiere sind anfällig für Diabetes.

• Auf den Gesundheitszustand der Tiere sollte stets gut geachtet werden. Anzeichen für eine Erkrankung können sein: apathisches Verhalten, struppiges und schuppiges Fell, häufiges Kratzen, weicher Kot, tränende, verklebte oder entzündete Augen, Linsentrübung, verkrustete Ohren, Sekret aus der Nase, auffällige Gewichtsab- oder -zunahme. In all diesen Fällen unbedingt und schnell einen Tierarzt konsultieren!
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