Aktueller Rundbrief: Ausgabe 11 – November 2019

Hier steht Ihnen der monatliche Rundbrief der BTK-Geschäftsstelle mit Aktuellem rund um die Bundestierärztekammer und den tierärztlichen Beruf zur Verfügung.

EU-TIERARZNEIMITTEL-VERORDNUNG (VO (EU) 2019/6)

Am 5. und 6. November 2019 veranstaltete das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in Berlin ein Symposium zur neuen EU-Tierarzneimittel-Verordnung (EU-TAM-VO). Unter dem Titel „Herausforderungen 2020: Die neue Tierarzneimittel-Verordnung und andere globale Entwicklungen" wurden nach dem 1. Themenblock „Drittstaaten-Dialog" im 2. Themenblock die „EU-Tierarzneimittel-Verordnung" mit den Schwerpunkten: „Implementing and Delegated Acts/Europäische Sicht", „Pharmakovigilanz", „Datenbanken" und „Antibiotika" behandelt. Für die BTK nahm Dr. Ilka Emmerich, Vorsitzende des Ausschusses für Arzneimittel- und Futtermittelrecht, am Symposium teil.

Nachdem im zweiten Themenblock der Stand des Gesetzgebungsverfahrens aus Sicht der EU-Kommission und zu den „Implementing and Delegated Acts" seitens der European Medicines Agency (EMA) und der Task Force der Heads of Medicines Agencies (HMA)/EMA berichtet wurde, hatte das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), die Arbeitsgruppe für Tierarzneimittel der Länder (AG TAM), die Pharmazeutische Industrie und die Tierärzteschaft die Gelegenheit, ihre Sicht auf die zu erwartenden Neuerungen und die damit verbundenen Herausforderungen in einem Referat darzustellen. Für die Tierärzteschaft übernahmen dies Dr. Siegfried Moder für den Bundesverband Praktizierender Tierärzte (bpt) und Dr. Ilka Emmerich für die BTK. Dabei wurde insbesondere auf die zu erwartenden Veränderungen für die tierärztliche Praxis eingegangen, die die Federation of Veterinarians of Europe (FVE) in acht Punkten in einer anschaulichen Grafik zusammengefasst hat (siehe unter https://www.bundestieraerztekammer.de/btk/fve/PLAQUETTE_FVE_HD_German_web.pdf). Es ist geplant, dass alle Präsentationen des Symposiums auf der Internetseite des BVL eingestellt werden. Bis dahin können sich Interessierte die Präsentation von Dr. Emmerich unter https://www.vetidata.de/data/pdfs/vortraege/bvl_symposium_emmerich_20191105_1700-1720_20191105_druck.pdf ansehen.

Die EU-TAM-VO sieht u. a. vor, dass zur Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen bestimmte für die Behandlung von Menschen wichtige Antibiotika für die Anwendung bei Tieren eingeschränkt oder verboten werden können. Dazu werden im ersten Schritt Kriterien definiert, nach denen dann ein Teil der zu reglementierenden antimikrobiellen Wirkstoffe oder Wirkstoffgruppen bestimmt wird. Welche Kriterien der EMA gemäß Artikel 37 Absatz 4 der EU-TAM-VO von der gebildeten Expertengruppe empfohlen wurden, berichtete Dr. Christine Schwarz vom BVL. Demnach sollen folgende Kriterien Berücksichtigung finden:

Bedeutung für die Humangesundheit

  • antimikrobieller Wirkstoff ist die einzige therapeutische Alternative oder eine essenzielle Komponente weniger Alternativen, die für die Behandlung von schwerwiegenden, lebensbedrohlichen Infektionen beim Menschen zur Verfügung stehen, welche unter ungeeigneter Therapie zu erheblicher Mortalität oder langanhaltenden bzw. dauerhaften Einschränkungen führen würden oder
  • antimikrobieller Wirkstoff ist in der EU für die Behandlung von schwerwiegenden bakteriellen Infektionen mit begrenzten therapeutischen Alternativen (in Bezug auf Resistenz) zugelassen

Risiko des Resistenztransfers

  • die Übertragung von Bakterien, die gegenüber dem antimikrobiellen Wirkstoff resistent sind, oder die Übertragung von entsprechenden Resistenzgenen von nicht-humanen Quellen auf den Menschen ist gegeben und ist mit dem Einsatz des antimikrobiellen Wirkstoffs bei Tieren verbunden
  • Daten zeigen Auftreten, Verbreitung und Übertragung von Resistenz gegenüber dem antimikrobiellen Wirkstoff

Bedeutung für die Tiergesundheit

  • antimikrobieller Wirkstoff ist essenziell für die Behandlung von schwerwiegenden, lebensbedrohlichen Infektionen bei Tieren, welche unbehandelt zu erheblicher Morbidität und/oder Mortalität führen würden
  • es stehen keine therapeutischen Alternativen für die Behandlung solcher Infektionen für Tiere zur Verfügung
  • ein Verbot des antimikrobiellen Wirkstoffs hat bedeutende Auswirkungen auf Tierwohl, Tier- oder Humangesundheit, da keine alternativen Managementstrategien zur Kontrolle, Ausbreitung und Behandlung solcher Infektionen vorhanden sind

Unter Abwägung der Kriterien Humangesundheit, Resistenztransfer und Tiergesundheit wird anschließend die Liste der antimikrobiellen Wirkstoffe gemäß Artikel 37 (5) erstellt, für die vom 28.01.2022 an ein Umwidmungsverbot (A 107 (5)) und ein Einfuhrverbot für Tiere oder Erzeugnisse tierischen Ursprungs (A 118 (1)) besteht. Des Weiteren wird die Gültigkeit bestehender Zulassungen mit diesen Wirkstoffen zum 30.01.2027 aufgehoben, sodass von diesem Zeitpunkt an auch die Anwendung bei Zieltierarten nicht mehr möglich sein und ein generelles Anwendungsverbot in der Tiermedizin bestehen wird.

Die Standesvertretung wird sich weiter dafür einsetzen, dass von der anhand der Kriterien zu erstellenden Liste von Wirkstoffen, möglichst keine für Tiere zugelassenen Arzneimittel betroffen sind.

Dr. Ilka Emmerich

 

FVE-UMFRAGEERGEBNISSE 2018 SIND NUN ONLINE VERFÜGBAR

In Europa gibt es schätzungsweise 309.144 Tierärzte, von denen 46 Prozent unter 40 Jahre alt und 58 Prozent Frauen sind. Das ist nur ein Ergebnis der zweiten europaweiten Studie über den Tierarztberuf, die von der Federation of Veterinarians of Europe (FVE) durchgeführt und von der Firma MSD Animal Health finanziert wurde. Die Studie, die Daten aus dem Jahr 2018 erhoben hat, kann ab sofort unter http://www.fvesurvey.com heruntergeladen werden. Sie wurde über eine Onlineumfrage mit direkter Beteiligung von Tierärzten aus ganz Europa erstellt.

Die im April 2015 veröffentlichte erste Studie erzielte über 13.000 Antworten aus 24 Ländern. Diese Zahl wurde nun mit der Teilnahme von über 14.500 Tierärzten übertroffen.

Das Ergebnis ist ein sehr anschaulicher Bericht mit vielen Grafiken und Bildern, die das Lesen erleichtern. Enthalten sind viele Informationen zum Tierarztberuf in Europa, interessante Daten und Indikatoren u. a. über den Arbeitsmarkt für Veterinärmediziner sowie Aussagen zur beruflichen Entwicklung, Zufriedenheit und zum Wohlbefinden von Tierärzten. Beim Vergleich der Zahlen, insbesondere auch mit der Umfrage von 2015, muss beachtet werden, dass für Deutschland diesmal die Gesamtzahl aller Tierärzte als Referenz verwendet wurde und nicht die Anzahl der tierärztlich Tätigen. 2015 wurden nur sogenannte „active vets" herangezogen. Problematisch ist auch, dass nicht für alle Mitgliedstaaten Gesamtzahlen ermittelt werden konnten. Es bleibt also leider unklar, ob es sich immer um eine Gesamtzahl oder um die „active vets" handelt.

 

FALL VON ASP IM WESTEN VON POLEN

Der polnische Veterinärdienst hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) darüber informiert, dass am 14.11.2019 bei einem tot aufgefundenen Wildschwein in der Woiwodschaft Lebus im Kreis Wschowski – etwa 80 km von der Grenze zu Brandenburg entfernt – Afrikanische Schweinepest (ASP) festgestellt wurde. Seit 5 Jahren gibt es ein Seuchengeschehen im Osten von Polen, das ungefähr 250 km von dem jetzigen Fall entfernt ist.

Für das Ministerium steht die Prävention an erster Stelle. Bereits im Juni 2018 haben die Veterinärbehörden von Polen und Deutschland eine gemeinsame Übung durchgeführt, die einen raschen Informationsfluss nach Feststellung der ASP zwischen den lokalen sowie den übergeordneten Veterinärbehörden beider Länder sicherstellen soll.

Das BMEL weist erneut auf die strikte Einhaltung von Biosicherheitsmaßnahmen in den Schweinehaltenden Betrieben hin und insoweit auf die Vorgaben der Schweinehaltungshygieneverordnung. Zudem werden die Jagdausübungsberechtigten aufgefordert, verendet aufgefundene Wildschweine den jeweils zuständigen Behörden anzuzeigen, um eine entsprechende Untersuchung sicherzustellen.

Auch in Schweden wächst die Sorge vor einer Einschleppung der ASP. Die Landwirtschaftsbehörde Jordbruks verket hat daher im Auftrag der Regierung Maßnahmen entwickelt, die einen solchen Ernstfall möglichst verhindern sollen. Die Behörde spricht sich v. a. für eine gezielte regionale Regulierung des Wildschweinbestands aus. Sie plädieren darüber hinaus für verschärfte Biosicherheitsmaßnahmen in der Landwirtschaft, um den direkten und indirekten Kontakt zwischen Hausschweinen und potenziell infizierten Wildschweinen möglichst zu unterbinden. Notwendig ist aus Sicht der Behörde auch die bisher nicht erfolgte systematische Erfassung von tot aufgefundenem Schwarzwild.

Presseinformation BMEL (15.11.19)
• AgE (Ausgabe 45)

 

KOSTENZUSCHUSS FÜR IMPFUNG GEGEN BLAUZUNGENKRANKHEIT

Das Land Rheinland-Pfalz und die Tierseuchenkasse unterstützen ab sofort die vorbeugende Impfung gegen die Blauzungenkrankheit. Es könne gegen Serotyp 8 und Serotyp 4 geimpft werden, teilte das Mainzer Umweltministerium mit. Die Impfung von Rindern werde mit 1,50 € bezuschusst, wovon das Land 80 Cent und die Tierseuchenkasse 70 Cent übernähmen. Für Schafe und Ziegen werde 1,00 € beigesteuert. Anträge für die Impfkostenförderung könnten an die Tierseuchenkasse gestellt werden; eine rückwirkende Förderung sei aber nicht möglich. Bereits im Juni, nach der Ankündigung der Förderung durch Umweltministerin Ulrike Höfken, hatte der Präsident des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Nassau (BWV), Michael Horper, kritisiert, dass diejenigen, die bereits nach den ersten Blauzungenfällen geimpft hätten, nun bestraft würden, da die Regelung nicht rückwirkend gelte. Höfken betonte nun, dass die Impfquoten zu gering seien und empfahl den Tierhaltern dringend, ihre Tiere gegen die Blauzungenkrankheit impfen zu lassen. Der Impfkostenzuschuss fällt höher aus als in anderen Bundesländern, wodurch sich die Ministerin eine starke Motivation zur Impfung erhofft.

• AgE (Ausgabe 46)

 

THÜNEN-INSTITUT BIETET AKTUALISIERTE ZAHLEN ZUR TIERHALTUNG IN DEUTSCHLAND

In seinen „Steckbriefen zur Tierhaltung" hat das Thünen-Institut (TI) die Daten zur Haltung von Schweinen, Rindern und Geflügel in Deutschland bis zum Jahr 2018 aktualisiert. Die Steckbriefe beschreiben die spezifische Situation bei den drei Tierarten, wobei auch zwischen Milchkühen und Mastrindern sowie Legehennen und Mastgeflügel unterschieden wird. Der Schweinebereich wurde um die Sauenhaltung ergänzt. Statistische Informationen und Schaubilder geben u. a. Auskunft über die Entwicklung von Tierbeständen, Betriebsstrukturen, die Produktion, den Außenhandel sowie den Verbrauch. Dem TI zufolge zeige sich in einer längerfristigen Betrachtung, dass sich diese Marktdaten bei den einzelnen Tierkategorien sehr unterschiedlich entwickelt hätten. Während die Schweine- und besonders die Geflügelfleischproduktion in den vergangenen Jahren dynamisch gewachsen sei, stagniere sie bei Rindfleisch. Die Steckbriefe sind auf der Webseite des TI kostenfrei einsehbar, zu finden im Themenfeld „Nutztierhaltung und Aquakultur" im Dossier „Nutztierhaltung und Fleischproduktion" (www.thuenen.de).

• AgE (Ausgabe 45)

 
 

PRAKTIKUM IN GROßTIERPRAXIS GESUCHT!

Wie der Verein Deutsch-Französischer Tierärzte e. V. mitteilte, sucht Emma Kunegel, eine Veterinärmedizinstudierende im 5. Jahr aus Frankreich, für den Zeitraum 04.02. bis 06.03.2020 einen Praktikumsplatz in einer Großtierpraxis mit Schwerpunkt Rinder, aber auch Kleintiere. Ein Praktikum in einer luxemburgischen Großtierpraxis im letzten Winter bestärkte sie in ihrem Berufsplan. Sie spricht Deutsch, jedoch nicht fließend. Empfehlungsschreiben können auf Wunsch zur Verfügung gestellt werden. Bei Interesse kontaktieren Sie Frau Kunegel unter: emma.kunegel@vet-alfort.fr                  

 

SIE HABEN EIN WILDTIER GESEHEN? BITTE MITTEILEN!

In Europa leben etwa 250 verschiedene Säugetierarten. Welche und wie viele in welchen Regionen leben, ist oftmals unbekannt. Mit dem Kooperationsprojekt MammalNet möchten acht europäische Forschungsinstitutionen diese Lücke gemeinsam mithilfe von Bürgern schließen. Diese sind aufgerufen, Tiere, die sie auf Wanderungen, im Alltag oder beim Spaziergang sehen, über eine mobile App oder über zwei Internetseiten mitzuteilen. Die App iMammalia läuft auf Android und iOS und kann in den jeweiligen Stores heruntergeladen werden. Sie ermöglicht eine einfache Mitteilung der Sichtung. Für die beiden Internetseiten www.mammalweb.org und www.agouti.eu ist eine Registrierung erforderlich. Sie richten sich eher an fortgeschrittene Naturbeobachter. So laden Forscher auf der Agouti-Webseite z. B. auch Bilder aus Fotofallen hoch. Nutzen kann die Plattform aber trotzdem jeder.
 
Das Projekt läuft über 2 Jahre und startet zunächst in den Pilotländern Deutschland, Spanien, Kroatien und Polen. Ab Mai 2020 soll es auf die übrigen Regionen Europas ausgeweitet werden.
Das Projekt MammalNet ergänzt das Projekt ENETWILD (www.enetwild.com), in dem Wissenschaftler seit 2017 Monitoringdaten von Säugetieren erfassen und auswerten. Dazu zählen auch Aufnahmen, die sie mit Fotofallen erstellt haben. Um die Datenbasis zu vergrößern, hoffen sie jetzt auf die Unterstützung von Naturfreunden.

Pressemitteilung der TiHo vom 28.10.19

 


Inhalte Deutsches Tierärzteblatt Dezember 2019

 

Steintherapie

Dieser Beitrag von Dr. Dr. Peter Pantke ist ein historischer Streifzug durch die Therapie der Urolithiasis bei Mensch und Tier. Darin wird der Werdegang des urologischen Fachgebiets in der Human- und Veterinärmedizin von der Antike bis zur Gegenwart illustriert.

Unternehmensberatung

Diplom-Kaufmann Dirk Brennecke und seine Kollegin Birte Hegge zeigen anhand eines Fallbeispiels, welche Vorteile Tierarztpraxen und -kliniken aus einer Unternehmensberatung ziehen können. Nicht unerwähnt bleiben dabei die Möglichkeiten zur Nutzung von staatlichen Fördermitteln für den betriebswirtschaftlichen Check-up.

Bericht aus dem BMEL

Dies ist eine Zusammenfassung des Berichts aus dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), den MinDirig Dr. Dietrich Rassow anlässlich der BTK-Herbst-Delegiertenversammlung am 13./14.09.2019 in Berlin vortrug.

 

 

Termine 2019/2020

19. Dezember Präsidium Berlin
2020    
14. Januar AG Telemedizin Berlin
23. Januar Präsidium Berlin
18. Februar Bundesweiterbildungsarbeitskreis Hannover
4. März Ausschuss für Pferde Berlin
19./20. März Erweitertes Präsidium Berlin
20./21. März Frühjahrs-Delegiertenversammlung Berlin
25./26. Mai Geschäftsführerkonferenz Saarlouis

Mit freundlichen Grüßen
Ihre BTK-Geschäftsstelle

 

*Quellen der jeweiligen Artikel sind die angegebenen Links.