Aktueller Rundbrief: Ausgabe 6 – August 2018

Hier steht Ihnen der monatliche Rundbrief der BTK-Geschäftsstelle mit Aktuellem rund um die Bundestierärztekammer und den tierärztlichen Beruf zur Verfügung.

EVALUATION DER 16. AMG-NOVELLE – NOCH WENIGE TAGE, UM MITZUREDEN

Teil der gesetzlich vorgeschrieben Evaluation des staatlichen Antibiotikamonitorings ist eine Umfrage bei Tierärzten. Die Befragung wird in Kürze, am 26. August, beendet. Es haben sich schon eine ganze Reihe von Kolleginnen und Kollegen die Zeit genommen, die Umfrage zu beantworten.

Es sollen aber so viele Stimmen wie möglich zusammenkommen. Daher bitten wir erneut um Ihre Mitwirkung.

Für Bestände verschiedener Tierkategorien gilt seit dem 1. April 2014 infolge der 16. Novelle des Arzneimittelgesetzes (AMG) eine Meldepflicht für jeden Einsatz von Antibiotika. Die Wirkung dieser Vorschrift soll nun zur Erarbeitung eines Evaluationsberichts für den Deutschen Bundestag zurückgemeldet werden. Daher hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) die Firma SAFOSO mit der Erstellung eines Evaluationsberichts beauftragt. Die Tierärzte und Tierärztinnen, die solche Bestände betreuen, sind ebenfalls in ihrer täglichen Arbeit von den Regelungen betroffen - daher bilden Ihre Erfahrungen und Meinungen dazu einen wichtigen Teil des Berichtes. Dafür brauchen wir Ihre Unterstützung – mit Ihrer Beteiligung können wir ein präzises Bild von Nutzen und Herausforderungen der Regelungen erstellen.

Bringen Sie Ihre Erfahrungen ein, teilen Sie Ihre Meinung mit! Die bundesweite Umfrage läuft noch bis 26.08.2018. Die Teilnahme ist anonym.

Sie finden den Link, indem Sie sich mit Ihrem Zugang in HITier einloggen und die Tierarzneimittel/Antibiotika-Datenbank aufrufen. Ebenfalls steht der Link beim Einloggen in die QS-Antibiotikadatenbank bereit.

Sie arbeiten in einer Praxis mit mehreren Tierärztinnen und Tierärzten? Über den QS / HITier Zugang Ihrer Praxis kann sich jede/r einzeln beteiligen!

 

MENGE DER ABGEGEBENEN ANTIBIOTIKA IN DER TIERMEDIZIN SINKT WEITER

Die Menge der in der Tiermedizin abgegebenen Antibiotika in Deutschland ist im Jahr 2017 erneut etwas zurückgegangen. Zwischen 2011 – dem ersten Jahr der Erfassung – und 2017 ging die Gesamtmenge der abgegebenen Antibiotika von 1706 auf 733 Tonnen zurück (minus 57 %). Das ergab die Auswertung der erhobenen Abgabemengendaten für Antibiotika durch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Von den von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) als Wirkstoffe mit besonderer Bedeutung für die Therapie beim Menschen eingestuften Antibiotikaklassen (Critically Important Antimicrobials for Human Medicine) wurden im Vergleich zum Vorjahr höhere Mengen abgegeben (Zunahme: 0,556 t Fluorchinolone bzw. rund 4,7 t Colistin). Gegenüber dem ersten Erfassungsjahr 2011 hat die Abgabe von Colistin aber um ca. 42 % abgenommen, die Abgabe von Fluorchinolonen ist für den gleichen Zeitraum um rund 20 % gestiegen.

Die gemeldeten Wirkstoffmengen lassen sich nicht einzelnen Tierarten zuordnen, da die Mehrzahl der Wirkstoffe für die Anwendung bei verschiedenen Tierarten zugelassen ist.

Pressemitteilung des BVL vom 23.07.2018

Der QS Qualität und Sicherheit GmbH zufolge wurden in den Geflügel und Schweine haltenden Betrieben im QS-System 0,17 Tonnen weniger Fluorchinolone eingesetzt als im Jahr zuvor: https://www.q-s.de/pressemeldungen/eingesetzte-antibiotikamengen-erneut-gesunken.html

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat erstmals ein Lagebild zur Antibiotikaresistenz im Bereich Tierhaltung und Lebensmittelkette veröffentlicht. Dieses beschreibt einen deutlichen Rückgang der Abgabemengen von Antibiotika an Tierärztinnen und Tierärzte und einen Rückgang der Kennzahlen der Therapiehäufigkeit. Das BMEL hat außerdem einen Vergleich der Ergebnisse des Resistenzmonitorings vor und nach 2014 vorgenommen und die Resistenz gegen Cephalosporine der 3. Generation, gegen Fluorchinolone und gegen Colistin untersucht. Auch bei den Resistenzraten gegen verschiedene Antibiotika deutet sich in vielen Bereichen eine rückläufige Tendenz an. Die Frage einer ursächlichen Beziehung des Rückgangs der Resistenzraten mit dem Rückgang der Abgabemengen und/oder der Therapiehäufigkeiten ist anhand der vorliegenden Daten nicht zu klären. Hierzu sind weitergehende Daten bzw. Analysen erforderlich, wie sie im Rahmen der Evaluierung der Regelung der §§ 58a bis 58f des AMG durchgeführt werden.

Lagebild des BMEL vom 23.07.2018

 

EINSCHLEPPUNG UND VERBREITUNG DER AFRIKANISCHEN SCHWEINEPEST (ASP) VERMEIDEN

Es besteht weiterhin ein hohes Einschleppungsrisiko für die ASP aus betroffenen Ländern im Baltikum und Osteuropa nach Deutschland. Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) stellt daher ein Merkblatt mit Schutzmaßnahmen gegen die ASP in Schweinehaltungen sowie eine Checkliste, mit der bestehende Biosicherheitskonzepte in kommerziellen Schweinehaltungen überprüft und ggf. optimiert werden können, zur Verfügung.

Checkliste und Merkblatt des FLI

Die European Food Safety Authority (EFSA) hat Strategien für das Management von Wildschweinen in verschiedenen Stadien einer Schweinepestepidemie ermittelt, die beschreiben, was vor, während und nach einem Krankheitsausbruch zu tun ist. In einem wissenschaftlichen Gutachten untersuchen Sachverständige der EFSA die Dichte der Wildschweinpopulation in Europa und bewerten Maßnahmen, um diese zu verringern und infizierte Wildschweine von nicht infizierten fernzuhalten. Um das Risiko von Krankheitsausbrüchen zu reduzieren, sollten Maßnahmen wie die intensive Bejagung und das Nichtfüttern von Wildschweinen durchgeführt werden. Während einer Epidemie sind Aktivitäten, die zu einer verstärkten Bewegung von Wildschweinen führen könnten, zu vermeiden (z.B. intensive Treibjagden). Die passive Überwachung – das Melden toter Wildschweine – ist und bleibt der effektivste Weg zur frühzeitigen Erkennung neuer Fälle der ASP in zuvor nicht befallenen Gebieten.

Das Gutachten betont, dass die Erhebung von Informationen über Wildschweine in der EU harmonisiert werden sollte, um die Vergleichbarkeit der Daten zu erhöhen. Um dieses Desiderat zu füllen, finanziert die EFSA das Projekt ENETWILD mit dem Ziel, Daten über die geografische Verbreitung und Häufigkeit von Wildschweinen in ganz Europa zu sammeln und zu harmonisieren.

Wissenschaftliches Gutachten der EFSA
Pressenachricht der EFSA

Das Hessische Umweltministerium hat in Zusammenarbeit mit dem Innenministerium die Vorsorgemaßnahmen gegen die ASP verstärkt und zur Schulung von Bergeteams, die aus Beschäftigten von Hessen-Forst rekrutiert werden, einen Film über die sachgerechte Bergung und Beprobung von tot aufgefundenen Wildschweinen veröffentlicht. Im Seuchenfall werden Sammelplätze eingerichtet, auf denen die geborgenen Wildschwein-Kadaver sicher bis zur Abholung und Entsorgung gelagert werden können. Hierzu wurden bereits dichte Sammelcontainer angeschafft. Außerdem werden derzeit vorsorglich Zäune gekauft und eingelagert, um im Seuchenfall die betroffenen Gebiete einzäunen zu können, damit lebende und möglicherweise infizierte Wildschweine die Seuche nicht in andere Gebiete weitertragen können.

Lehrfilm „Bergung von Kadavern im Seuchenfall"
Presseinformation des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

 

STAATLICHES TIERWOHLLABEL: FORDERUNG NACH VERBINDLICHKEIT DER KENNZEICHNUNG

Ein breites Bündnis aus Tier-, Umwelt- und Verbraucherschutzverbänden um den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat eine gemeinsame Position veröffentlicht und fordert eine verpflichtende Kennzeichnung sowie stärkere Tierhaltungskriterien in der Einstiegsstufe. Nur eine gesetzlich verpflichtende Haltungskennzeichnung, die für alle tierischen Produkte gilt, schafft echte Verbrauchertransparenz und kann in der Breite wirken. Vor allem der Ringelschwanz, der als ein wichtiger Indikator für das Wohlergehen und die Tiergesundheit eines Schweines gilt, darf nicht weiterhin abgeschnitten werden. Laut Tierschutzgesetzt ist das ohnehin verboten. Unterzeichner der gemeinsamen Position sind neben dem BUND die Organisationen Albert-Schweitzer-Stiftung für unsere Mitwelt, Bund gegen Missbrauch der Tiere, Bundesverband Tierschutz, Deutscher Naturschutzring (DNR), Germanwatch, Greenpeace, Provieh und Vier Pfoten – Stiftung für Tierschutz. Die Organisationen haben einen gemeinsamen Kriterienkatalog für die Mindestanforderungen innerhalb der Schweinehaltung für die Einstiegsstufe des staatlichen Tierwohlkennzeichens entwickelt.

Pressemitteilung des BUND vom 05.07.2018
Kriterienkatalog der Organisationen

Die Bundestierärztekammer (BTK) nahm zum Entwurf des Gesetzes zur Einführung und Verwendung eines Tierwohlkennzeichens (Tierwohlkennzeichengesetz – TierWKG) Stellung.

Stellungnahme der BTK vom 07.06.2018 (Tierschutz)

 

SCHMERZTHERAPIE BEIM PFERD

Das Expertengremium „Pferd" der Initiative tiermedizinische Schmerztherapie (ITIS) hat Empfehlungen für die medikamentöse Schmerztherapie beim Pferd verfasst, die jetzt als Sonderheft von „Der Praktische Tierarzt" veröffentlicht wurden und vom 15.08.2018 an auf der Homepage der Initiative im geschützten Bereich für Tierärzte abrufbar sind (i-tis.de).

Die Empfehlungen wurden auf Basis vorhandener wissenschaftlicher Untersuchungen und den klinischen Erfahrungen des Expertengremiums erarbeitet, um Tierärzten die fachgerechte Schmerzerkennung und -therapie in der Praxis zu ermöglichen. Dabei wurde auch das Spannungsfeld zwischen Tierschutz und arzneimittelrechtlichen Regelungen berücksichtigt, der sich Tierärzte bei der medikamentösen Schmerztherapie von Pferden stellen müssen, weil diese eine besondere Stellung zwischen Schlachttier und Begleit- oder Sportpferd einnehmen. Entsprechend setzten sich die Empfehlungen auch mit den europaweit gültigen Umwidmungskaskaden und den jeweiligen nationalen Regelungen auseinander.


Inhalte Deutsches Tierärzteblatt September 2018

 

Anmerkungen zur neuen TÄHAV

Die BTK hat in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe Tierarzneimittel der Länderarbeitsgemeinschaft Verbraucherschutz (AG TAM), der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft (DVG), dem Bundesverband praktizierender Tierärzte (bpt) und dem Bundesverband der beamteten Tierärzte (BbT) Erläuterungen zur zweiten Verordnung zur Änderung der Verordnung über Tierärztliche Hausapotheken (TÄHAV) erarbeitet. Sie dienen der besseren Nachvollziehbarkeit und Verständlichkeit der TÄHAV, rechtlich verbindlich ist jedoch allein der Verordnungstext.

Ferkelkastration

Da die betäubungslose Kastration von Saugferkeln vom 01.01.2019 an nicht mehr zulässig ist, hat ein Autorenteam um Prof. Dr. Karl-Heinz Waldmann die Alternativen der Kastration von Saugferkeln mit und ohne Betäubung aus wissenschaftlicher Sicht analysiert.

Brachyzephaler Hund: Entscheidungshilfe für Amtstierärzte

Die Arbeitsgruppe „Qualzuchten" der BTK hat unter Mitarbeit weiterer Fachleute eine Entscheidungshilfe zur Beurteilung von Qualzuchtausprägungen bei brachyzephalen Hunden als Hilfestellung für amtliche Tierärzte entwickelt, die hier vorgestellt wird.

Tierärztliche Plattform Tierschutz

Im Juni fand eine Auftaktveranstaltung der Tierärztlichen Plattform Tierschutz (TPT) statt, über die deren Koordinator Prof. Dr. Thomas Blaha hier berichtet.

Antibiotikaabgabemengen

In Deutschland sind pharmazeutische Unternehmen und Großhändler seit 2011 gesetzlich dazu verpflichtet, die Menge der an Tierärzte abgegebenen Antibiotika an das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) zu melden. Die Auswertung erfolgt durch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Das Ergebnis für 2017 wird hier zusammengefasst und mit den Zahlen aus den vorhergehenden Jahren verglichen.

 

Termine 2018

29. August BTK-Ausschuss für Pferde Berlin
11. September Erweitertes Präsidium Dresden
12. September Herbst-Delegiertenversammlung Dresden
12. September ATF-Mitgliederversammlung / öffentliche Beiratssitzung Dresden
13./14. September 28. Deutscher Tierärztetag mit Festakt Dresden
05. Dezember Präsidium Berlin

Mit freundlichen Grüßen
Ihre BTK-Geschäftsstelle

 

*Quellen der jeweiligen Artikel sind die angegebenen Links.