Aktueller Rundbrief: Ausgabe 9 – November 2018

Hier steht Ihnen der monatliche Rundbrief der BTK-Geschäftsstelle mit Aktuellem rund um die Bundestierärztekammer und den tierärztlichen Beruf zur Verfügung.

„UMDENKEN-TIERZULIEBE" - PLAKATKAMPAGNE DER TIERÄRZTEKAMMER BERLIN GEGEN QUALZUCHTEN

Mit der aktuellen Kampagne „umdenken-tierzuliebe" möchte die Berliner Tierärztekammer den Trend zum unbedachten Tierkauf stoppen und potentielle Käufer sensibilisieren. Ziel ist die Aufklärung der Öffentlichkeit und zukünftigen Tierbesitzer/innen. „Wir wollen zurück zur Zucht von vitalen, gesunden, schmerz- und leidensfreien Tieren", erklärte die Präsidentin der Tierärztekammer Berlin, Dr. Heidemarie Ratsch, auf der begleitenden Pressekonferenz am 14.11.2018. „Im Verbund mit den Tierärztinnen und Tierärzten in den Praxen, soll über die Nebenwirkungen extremer Zuchtformen aufgeklärt werden." Neben Dr. Ratsch informierten anlässlich der Pressekonferenz noch vier weitere Experten zum Thema.

Dr. Uwe Tiedemann, Präsident der Bundestierärztekammer (BTK), betont, „Hier müssen alle an einem Strang ziehen. Auf Initiative des Deutschen Tierärztetags 2015 in Bamberg hat die BTK schon 2016 die Arbeitsgruppe (AG) ‚Qualzuchten' ins Leben gerufen." Der Vorsitzende der AG „Qualzuchten" und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kleintiermedizin (DGK-DVG), Dr. Friedrich Röcken, erläutert, was seit Gründung der AG schon erreicht wurde. „Tierwohl ist immer wieder ein brandaktuelles Thema. Es geht auch nicht darum, eine Rasse zu eliminieren, sondern die Rassestandards zu verbessern – die Tiergesundheit muss im Vordergrund stehen", meint Dr. Röcken. Tierpathologe der FU-Berlin und Forschungsdekan Prof. Dr. Achim Gruber verdeutlicht in seiner Präsentation „So einen will ich auch ...", wie sehr betroffene Tiere aufgrund ihrer Überzüchtung leiden. Egal ob Katzen ohne Fell, Pferde im Miniaturformat mit Hechtkopf oder Hunde mit viel zu kurzem Kopf – sie alle haben eines gemeinsam, sie leiden für ihr „rassetypisches" Aussehen. „Jeder vierte extrem gezüchtete Kurznasenhund schläft im Sitzen, weil er sonst im Schlaf zu ersticken droht. Etwa jeder vierte Dackel erleidet einen Bandscheibenvorfall, in dessen Folge es oftmals zu einer Querschnittslähmung kommt. Es herrscht leider immer noch eine große Gedankenlosigkeit in der Gesellschaft. Denn Schmerzen, Leiden und Schäden sowie Einschränkungen der Artgerechtigkeit wurden und werden zugunsten der Wünsche der Käufer erstaunlich gut toleriert. Extreme Züchtungsfolgen verstoßen aber gegen § 11b des Tierschutzgesetzes", erklärte Prof. Gruber.

Darauf, dass nicht nur Heimtiere bis zur Qual gezüchtet werden, verwies die Landestierschutzbeauftragte des Landes Berlin, Diana Plange. Auch Nutztiere erleiden Schmerzen durch extreme Zucht auf Leistung. „Hier steht die Produktion möglichst vieler Nachkommen mit optimaler Rentabilität im Vordergrund", meinte die Landestierschutzbeauftragte. Die sogenannten „Leistungszuchtlinien" weisen eine Vielzahl von zuchtbedingten Gesundheitsstörungen auf. Milchkühe leiden bspw. unter schmerzhaften Euterentzündungen und Stoffwechselerkrankungen, Legehennen erkranken häufig an Osteoporose und Mastschweine haben mit schmerzhaften Gelenkveränderungen und Muskeldegenerationen zu kämpfen. „Was glauben wir Menschen eigentlich den Tieren antun zu dürfen, nur weil wir es können", mahnte Plange.

                                  Prof. Gruber bei seinem Vortrag.                                        Dr. Heidemarie Ratsch

Unterstützt wird die Aktion durch Postkarten, Flyer, Buttons und Aufkleber. Alle sind gefordert hier Abhilfe zu schaffen. Qualzucht ist nicht niedlich, sondern schafft Schmerzen, Leiden und Schäden. Helfen Sie mit und lassen Sie uns die Öffentlichkeit gemeinsam aufklären!

Gemeinsame Presseinformation „umdenken-tierzuliebe"
Informationen zum Thema „Qualzuchten" der Tierärztekammer Berlin
Informationen zum Thema „Qualzuchten" der BTK

 

ZWEITE FVE-UMFRAGE ÜBER DEN TIERARZTBERUF IN EUROPA

Die Federation of Veterinarians of Europe (FVE) hat, mit großer Zustimmung ihrer Mitglieder, entschieden, eine zweite Auflage der Umfrage zum Tierarztberuf in Europa zu starten. Vorgesehen ist eine Laufzeit bis Ende Dezember; je nach Beteiligung wird diese ggf. verlängert. Ziel dieser Studie ist es, unterschiedliche Aspekte des Veterinärberufs in Europa gründlich zu bewerten. Dazu sind z. B. Erhebungen über Demografie, Arbeitsmarkt und Finanzindikatoren notwendig, die dabei helfen, die aktuelle Situation unseres Berufsstandes zu verstehen und Maßnahmen anzustoßen, um unsere - Ihre - Zukunft zu verbessern und zu gestalten.
 
 
Belastbare Schlussfolgerungen können nur gezogen werden, wenn möglichst viele Tierärztinnen und Tierärzte an der Umfrage teilnehmen. Bitte unterstützen Sie die FVE und ihre 44 Mitgliedsorganisationen dabei, damit die Ergebnisse der Umfrage einen Beitrag für die zukünftige Gestaltung des Tierarztberufs leisten können. Die Beantwortung der Fragen dauert nur ca. 10–15 Minuten. Die Informationen werden vertraulich behandelt und nur für statistische Zwecke verwendet. Der Fragebogen steht in deutscher Sprache zur Verfügung.

Vielen Dank!

VetSurvey 2018 (zur Umfrage)

 

BVL VERÖFFENTLICHT ZOONOSEN-MONITORING 2017

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat einen Bericht zum Zoonosen-Monitoring 2017 veröffentlicht. Im Zoonosen-Monitoring werden repräsentative Daten zum Vorkommen von Zoonoseerregern bei den wichtigsten Lebensmittel liefernden Tierarten und ihren Produkten sowie anderen Lebensmitteln und Futtermitteln gewonnen. Diese ermöglichen es, die Exposition der Verbraucher gegenüber den Zoonoseerregern abzuschätzen. Die Resistenzuntersuchungen tragen dazu bei, Beziehungen zwischen dem Antibiotikaeinsatz in der Tierproduktion und der Entwicklung von Antibiotikaresistenzen besser analysieren zu können.
Die Ergebnisse des repräsentativen Zoonosen-Monitorings 2017 zeigen, dass auch Rohwürste Krankheitserreger enthalten können – dazu gehören u. a. Tee- und Mettwürste. Hier fanden die Untersuchungsämter in jeder achten untersuchten Probe Listerien. Einige Rohwürste waren mit STEC/VTEC-Bakterien belastet. Bei den untersuchten Proben von frischem Masthähnchenfleisch hat sich das Ergebnis gegenüber dem Vorjahr kaum verändert. Hier wurden in mehr als der Hälfte der Proben Campylobacter nachgewiesen. Insgesamt haben die Untersuchungsbehörden der Länder für das Zoonosen-Monitoring 2017 insgesamt 6.922 Proben auf allen Ebenen der Lebensmittelkette gewonnen und untersucht. Dabei wurden 2.414 Bakterienisolate gewonnen und weiter untersucht.
Gute Nachrichten gibt es in Bezug auf die Salmonellen-Belastung. Hier hat sich der beobachtete Rückgang der Nachweisrate in Schweinehackfleisch auch 2017 weiter fortgesetzt. Wurden diese 2009 noch in fünf Prozent der Proben nachgewiesen, wurden die Lebensmittelkeime im vergangenen Jahr nur noch in 0,7 Prozent der Proben gefunden.

Bericht zum Zoonosen-Monitoring 2017 des BVL
News-Artikel auf Vetion

 

KOALITION WILL BETÄUBUNGSLOSE FERKELKASTRATION ZWEI JAHRE LÄNGER ERLAUBEN

In erster Lesung hat der Bundestag am 09.11.2018 einen Gesetzentwurf von CDU/CSU und SPD zur Änderung des Tierschutzgesetzes (19/5522) beraten und zusammen mit einem Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen (19/5564), der eine unverzügliche Umsetzung des Tierschutzes fordert, und einem Antrag der AfD (19/5533), der die Lokalanästhesie bei Ferkelkastrationen ermöglichen soll, zur federführenden Beratung an den Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft überwiesen.

CDU/CSU und SPD wollen die Übergangsregelung in § 21 Absatz 1 Satz 1 des Tierschutzgesetzes, die die Kastration von Ferkeln noch bis zum 31.12.2018 ohne Betäubung erlaubt, verlängern. Eine Verschiebung der Frist sei zwingend erforderlich, da die derzeit verfügbaren Alternativen zur betäubungslosen Kastration den Anforderungen der Praxis nicht gerecht würden. Es sei notwendig, die erforderlichen Schritte zu ergreifen, um aus der betäubungslosen Ferkelkastration so schnell wie möglich, spätestens jedoch zum 31.12.2020, aussteigen zu können. Zudem sollen alle notwendigen Maßnahmen ergriffen werden, um die deutschen Ferkelerzeuger in dem verlängerten Übergangszeitraum bei der Umstellung zu unterstützen. Bspw. sei es unerlässlich, dass das Narkosegas Isofluran unverzüglich nach Inkrafttreten dieses Gesetzes eine tierarzneimittelrechtliche Zulassung erhält. Zudem müsse ebenfalls unverzüglich, spätestens jedoch bis zum 31.05.2019, dem Bundestag eine Verordnung zugeleitet werden, die die Durchführung der Isoflurannarkose dem geschulten Landwirt ermöglicht. Die Betriebe sollen bei der Umstellung auf alternative Verfahren sowie bei der Anschaffung der dafür notwendigen Geräte finanziell unterstützt werden.

Geplant ist, die Fristverlängerung am 29. November zu beschließen, der Bundesrat soll am 14. Dezember zustimmen.

1. Lesung und Aussprache im Bundestag
Bericht „Arme Schweine" (3sat)

 

SCHWARZWILDJAGD – HYGIENEREGELN

Da auch innerhalb der Tierärzteschaft viele Jagdausübende sind und Tierärzte durch ihren Kontakt zu Jägern hier besonders geeignete Multiplikatoren sind, finden Sie nachfolgend Hygieneregeln für die Schwarzwildjagd. Seit 2014 breitet sich die Afrikanische Schweinepest (ASP) im Baltikum, Polen und einer Reihe weiterer osteuropäischen Staaten massiv aus. Betroffen sind sowohl Wildschweine als auch Hausschweinehaltungen. Im September 2018 erfolgten erstmals in Belgien Nachweise von ASP bei Wildschweinen. Der ASP-Ausbruch im Osten der Tschechischen Republik sowie die jüngsten Ausbrüche in Belgien belegen eindrucksvoll, dass diese Tierseuche neben einer direkten Übertragung über infizierte Tiere auch mehrere hundert Kilometer überspringen kann. Der Personen- und Güterverkehr und die nicht ordnungsgemäße Entsorgung, z. B. von kontaminierten Lebensmitteln entlang von Autobahnen und Fernstraßen, stellen hierbei ein großes Verbreitungs- und Einschleppungsrisiko dar. Nicht zuletzt deshalb ist in Deutschland ein Erstausbruch der ASP in der Schwarzwildpopulation wahrscheinlicher als ein Erstausbruch in Schweinehaltungen.

Ein wichtiges Glied in der Kette zur Vorbeugung eines Ausbruchs dieser Tierseuche in Deutschland sind Jägerinnen und Jäger. Diese können u. a. durch ihr richtiges Verhalten bei der Jagdausübung maßgeblich dazu beitragen, dass die ASP in Deutschland nicht ausbricht. Aus diesem Grund sind im Fachbereich Veterinärmedizin des Landesamts für Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt ein Merkblatt und ein Flyer erstellt worden, in denen die zehn wichtigsten Hygieneregeln bei der Schwarzwildjagd aufgeführt sind.

Informationen des Landesamts für Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt
Afrikanische Schweinepest: Vorsicht bei Jagdreisen (Broschüre BMEL)
Informationen ASP (BMEL)
Informationen ASP (FLI)

 


Inhalte Deutsches Tierärzteblatt Dezember 2018

 

Beilage:
Leitlinien zur Probengewinnung für die bakteriologische Diagnostik beim Schwein, Rind, Geflügel und Fisch

Diese Leitlinien des Arbeitskreis „Antibiotikaresistenz" der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft (DVG) geben allgemeine Empfehlungen zur Probengewinnung und -behandlung für die bakteriologische Diagnostik und berücksichtigen dabei tierartspezifische Besonderheiten für praxisrelevante Untersuchungen.

Gewalt gegen Tiere

Häusliche Gewalt gegen Tiere kann ein Frühindikator für häusliche Gewalt gegen menschliche Familienmitglieder sein. Deshalb sollten sich Tierärzte nicht scheuen, auf Missbrauchsfälle zu achten und ihren Verdacht zu thematisieren. Möglichkeiten hierzu bietet dieser Beitrag von Tierärztin Julia Schultz, Staatanwalt Ralph Schönfelder und Dr. Thomas Steidl.

Robuste Nutztierrassen

Ein Autorenteam um Dr. Kai Frölich stellt hier Teilergebnisse ihrer Untersuchungen zur Klärung des Begriffs „Robustheit" als Attribut alter Haustierrassen vor.

Bericht aus dem BMEL

Anlässlich der Herbst-Delegiertenversammlung der BTK am 12.09.2018 in Dresden berichtete Dr. Dietrich Rassow über die aktuell im Veterinärbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) bearbeiteten Themen. Es gilt das gesprochene Wort.

 

Termine 2018

22. November BTK-Ausschuss für Lebensmittel-, Fleisch- und Milchhygiene Berlin
04. Dezember AG Biosicherheit Berlin
05. Dezember Präsidium Berlin
06. Dezember Tierärztliche Plattform Tierschutz Berlin
18. Dezember BTK-Ausschuss für Tierschutz Berlin
18. Dezember Bundesweiterbildungsarbeitskreis Hannover
2019    
Januar/Februar BTK-Ausschuss für Arzneimittel- und Futtermittelrecht Berlin
13. März BTK-Ausschuss für Pferde Berlin
28./.29. März Erweitertes Präsidium Berlin
29./30. März Frühjahrs-Delegiertenversammlung Berlin
13./14. Mai Geschäftsführerkonferenz Niedersachsen
12./13. September Erweitertes Präsidium Berlin
13./14. September Herbst-Delegiertenversammlung Berlin

Mit freundlichen Grüßen
Ihre BTK-Geschäftsstelle

 

*Quellen der jeweiligen Artikel sind die angegebenen Links.