Aktueller Rundbrief: Ausgabe 8 – August 2021

Hier steht Ihnen der monatliche Rundbrief der BTK-Geschäftsstelle mit Aktuellem rund um die Bundestierärztekammer und den tierärztlichen Beruf zur Verfügung.

PARLAMENTSVETO GEGEN RESERVEANTIBIOTKA STÖßT AUF ABLEHNUNG DER TIERÄRZTESCHAFT

Eine vom Europaparlament im September geplante Abstimmung über ein Veto gegen einen delegierten Rechtsakt der Kommission zum humanmedizinischen Vorbehalt bestimmter Antibiotika stößt in der Tierärzteschaft auf Ablehnung.

Mit dem Ziel, die Entstehung und Verbreitung von Antibiotikaresistenzen zu verhindern, hat die EU-Kommission den Entwurf einer nachgeordneten Verordnung zur Verordnung (EU) 2019/6 über Tierarzneimittel vorgelegt. Diese sogenannte delegierte Verordnung, deren Entwürfe mehrfach durch die Bundestierärztekammer (BTK) kommentiert worden sind, soll Kriterien für den Humanvorbehalt einzelner antimikrobieller Wirkstoffe festlegen. Die sorgfältig ausgearbeiteten, dem One-Health-Konzept genügenden Kriterien beruhen auf einem wissenschaftlichen Gutachten der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA), das vom gemeinsamen Ausschuss von Human‐ und Gesundheitsexperten unter Mitwirkung international anerkannter Institutionen, u. a. der Weltgesundheitsorganisation (WHO), erstellt wurde.

Dennoch wurde nun aus den Reihen des Europäischen Parlaments der Antrag eingebracht, den Verordnungsentwurf derart zu überarbeiten, dass die von der WHO ausschließlich an Gesichtspunkten für die menschliche Gesundheit als am allerwichtigsten eingestuften Antibiotika alleinig für die Verwendung beim Menschen reserviert werden. Darüber hinaus enthält der Antrag einen Vorschlag zur Änderung der übergeordneten Verordnung (EU) 2019/6, um Ausnahmeregelungen für die Einzeltierbehandlung zu ermöglichen, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind.

Neben der BTK waren diverse tierärztliche Verbände, u. a. auch die Federation of Veterinarians of Europe (FVE), im Vorfeld an die Mitglieder des parlamentarischen Ausschusses für Umwelt, öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (ENVI) herangetreten, konnten aber leider nicht verhindern, dass der Antrag am 13.07.2021 mit knapper Mehrheit vom ENVI-Ausschuss angenommen wurde.

Um zu verhindern, dass auch das EU-Parlament Mitte September positiv über diesen Antrag entscheidet, hat die BTK nun Tierhalterverbände zum Thema kontaktiert und ein Informationsschreiben für Tierhalter:innen zusammengestellt (unter Arzneimittel- und Futtermittelrecht). Auch der Bundesverband Praktizierender Tierärzte (bpt) ruft Tierärzt:innen und Tierhalter:innen auf, aktiv zu werden und sich an der eigens initiierten Unterschriftenkampagne zu beteiligen.

Außerdem gibt es nun, koordiniert durch den Bundesverband für Tiergesundheit (BfT) und unterstützt von der FVE, einen offenen Brief der EPRUMA (European Platform for the Responsible Use of Medicines in Animals) Partner. Durch die Zeichnung eines offenen Briefs der EPRUMA Partner, können Sie die Abgeordneten noch einmal auf die Konsequenzen aufmerksam machen und zur Ablehnung der Resolution auffordern und somit den wissenschaftlich basierten, abgewogenen Rechtsakt der Kommission unterstützen.

Der Präsident der Bundestierärztekammer, Dr. Uwe Tiedemann, hat den Brief für die BTK gezeichnet.

Brief zum Mitzeichnen: https://form.jotform.com/212352665713353

EPRUMA wird alle Antworten, die bis zum 07.09.2021 eingehen, zusammenführen und gesammelt den Mitgliedern des Europaparlaments zusenden.

 

FLI WIRD WEITERES REFERENZZENTRUM DER FAO

Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) wird von der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) zum Referenzzentrum für neu auftauchende zoonotische Krankheitserreger wie SARS-CoV-2 und Hochsicherheitsbereiche benannt. Wie das FLI mitteilte, beherbergt es bereits die Referenzzentren der FAO für die klassische Schweinepest sowie für Influenzavirusinfektionen bei Tieren und die Newcastle-Krankheit. Die Corona-Pandemie hat erneut deutlich gemacht, wie bedeutsam internationale Kooperationen und der Betrieb von Hochsicherheitslaboratorien und -tierställen für entsprechende Forschungsarbeiten ist. Referenzzentren der FAO werden laut FLI durch den Generaldirektor der UN-Organisation auf der Basis international anerkannter Expertise zum jeweiligen Thema benannt. Das neue Referenzzentrum unterstütze die Arbeit der FAO durch Laborkapazitäten, insbesondere bei der Identifizierung und Charakterisierung von neu auftretenden zoonotischen Erregern. Ein besonderes Merkmal sei die Hilfestellung für Mitgliedsländer der Organisation durch den Aufbau von Laborkapazitäten und das Training von Laborpersonal zur Entdeckung von neuen Zoonoseerregern, die Forschung zur Charakterisierung neuer Erreger sowie die Unterstützung im Hinblick auf Epidemiologie, Risikoanalyse und Risikomanagement. Weiterhin wird das FLI bei der Konstruktion und dem Betrieb von Laboratorien und experimentellen Tierhaltungseinrichtungen hoher und höchster Sicherheitsstufen bis zu BSL-4 sowie der Standardisierung von Biosicherheitsmaßnahmen mit seiner technischen Expertise Unterstützung leisten.

· Presseinformation FLI (03.08.2021)

· Quelle: Agrar-Europe (AgE)

 

UMFRAGE ZUR DURCHFÜHRUNG DER ISOFLURANNARKOSE DURCH SACHKUNDIGE

Wie bereits im Juli-Rundbrief geschehen, möchten wir Sie erneut auf die durch den BTK-Ausschuss für Schweine initiierte Umfrage zum Einsatz der Isoflurannarkose durch Tierhalter:innen zur Kastration von Ferkeln hinweisen.

Berichte aus der Praxis weisen darauf hin, dass es bei Einsatz der Isofluranbetäubung zu Zwischenfällen verschiedener Art kommt. Das umfasst z. B. ungenügende Narkosetiefe oder wiederholt auftretende technische Störungen. Dabei gibt es auch Hinweise darauf, dass diese Probleme z. T. gerätespezifisch sind. Der BTK-Ausschuss für Schweine hat daher eine Umfrage gestartet, um ein möglichst umfassendes Bild der Situation zu zeichnen und abzuschätzen, wo Probleme bestehen und wie häufig diese Probleme auftreten. Mithilfe der Umfrageergebnisse sollen mögliche Schwachstellen bei der Anwendung der Isoflurannarkose für die Ferkelkastration aufgezeigt und ermittelt werden, welche Maßnahmen zur Verbesserung ergriffen werden müssen.

Der Fragebogen richtet sich an Tierärzt:innen, die im Rahmen ihrer Tätigkeit Betriebe betreuen, in denen die Isoflurannarkose zur Ferkelkastration angewendet wird oder wurde. Die Umfrage ist anonym. Die Teilnahme dauert ca. 15–20 Minuten.

Die Umfrage kann unter diesem Link aufgerufen werden: www.umfrageonline.com/s/11cf74c und läuft bis zum 30.09.2021.

 

UMFRAGE ZU PSYCHISCHER GESUNDHEIT; INKLUSION; CHANCENGLEICHHEIT UND VIELFALT IN DER VETERINÄRMEDIZIN

Die Federation of Veterinarians of Europe (FVE) hat sich in Zusammenarbeit mit der World Veterinary Association (WVA) und Zoetis zum Ziel gesetzt, Informationen darüber zu sammeln, wie Veterinärverbände, -gesellschaften und -unternehmen in Europa und weltweit das Wohlergehen der Tierärzt:innen gewährleisten und wie sie Vielfalt, Gerechtigkeit und Inklusion im tierärztlichen Beruf fördern können. Die Ergebnisse dieser Umfrage werden verwendet, um einen öffentlich zugänglichen Bericht zu schreiben (Q1 2022). Vor der Veröffentlichung werden die Ergebnisse der Umfrage nach Region/Land aggregiert und alle personenbezogenen Daten anonymisiert. Die Umfrage läuft bis zum 20.09.2021.

Umfrage: https://forms.gle/3PZTePDMjexQGkjB8

Fragen zur Umfrage oder Feedback: info@fve.org

 

ANIMAL HOARDING: DEUTSCHER TIERSCHUTZBUND VERÖFFENTLICHT AUSWERTUNG

Das krankhafte Sammeln von Tieren hat auch 2020 für erhebliches Tierleid gesorgt und die Tierheime gefordert. Das zeigt eine jetzt veröffentlichte Auswertung des Deutschen Tierschutzbunds: 59 Fälle von sogenanntem Animal Hoarding mit über 3 600 betroffenen Tieren wurden dem Verband im vergangenen Jahr bekannt – im Schnitt gab es damit jede Woche mindestens einen Fall. Damit bleibe das Niveau ähnlich hoch wie in den Jahren zuvor. Tierschützer:innen gehen zudem von einer hohen Dunkelziffer aus.

Beschlagnahmte Tiere aus Animal Hoarding Fällen müssen im Tierheim oft mühsam aufgepäppelt werden. ©Tierschutzverein Birkenfeld e.V.

 

Die Corona-Pandemie und die damit einhergehende verstärkte Isolation könnte das Problem beeinflusst haben und langfristig zu vermehrten Fällen von Animal Hoarding führen, sagt Dr. Moira Gerlach, Fachreferentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund.

Mit 59 ist die Anzahl der Animal-Hoarding-Fälle 2020 im Vergleich zum Vorjahr wieder angestiegen (50 Fälle in 2019), die Zahl der betroffenen Tiere war etwas geringer (3 948 in 2019). Am häufigsten hielten die Hoarder – wie bereits in allen Vorjahren – Katzen, in diesem Jahr in 28 Fällen, gefolgt von Hunden in 23 Fällen. Um das Problem einzudämmen, macht sich der Tierschutzbund aktuell auch im Rahmen seiner Bundestagswahlkampagne „Mein Schicksal – Deine Wahl“ stark für ein für Veterinärbehörden einsehbares übergreifendes Zentralregister von Animal Hoardern und eine Heimtierschutzverordnung mit eindeutigen Vorgaben für Zucht und Haltung einzelner Tierarten. Auch fordern die Tierschützer:innen eine Anerkennung von Animal Hoarding als Krankheitsbild, um den betroffenen Personen bessere Therapiemöglichkeiten und Anlaufstellen zu bieten. Als Dachverband fordert der Tierschutzbund von den Behörden außerdem schnellere und bessere finanzielle Unterstützung für die Tierheime.

· Auswertung der Animal-Hoarding-Fälle 2020

· Pressemeldung vom Deutschen Tierschutzbund (12.08.2021)

 

UMFRAGE ZU ENTWICKLUNGEN DER KLEINTIERBRANCHE WÄHREND DER CORONA-PANDEMIE

Die AGILA Haustierversicherung führt zurzeit eine Umfrage in der Tierärzteschaft durch. Mit der Umfrage sollen die Entwicklungen der Kleintierbranche während der Corona-Pandemie erfasst und dazu praktizierende Tierärzt:innen befragt werden. Es wird ein Überblick über die wirtschaftlichen, persönlichen und inhaltlichen Auswirkungen von Corona angestrebt. Mit den Ergebnissen will der Versicherungsanbieter ein allgemeines Stimmungsbild erhalten und durch Berichte in den Medien die Aufmerksamkeit auf diese Themen erhöhen. Die Teilnahme nimmt etwa 10 Minuten in Anspruch und die Ergebnisse werden anonymisiert ausgewertet.

Umfrage: https://www.umfrageonline.com/s/agila2021

 

 


Inhalte Deutsches Tierärzteblatt September 2021

 

Tätigkeitsbericht des Präsidenten

Anlässlich der Herbst-Delegiertenversammlung der Bundestierärztekammer (BTK), die erstmals seit 2 Jahren am 17./18.09.2021 in Berlin wieder als Präsenzveranstaltung stattfinden kann, wird BTK-Präsident Dr. Uwe Tiedemann über die aktuellen Arbeitsschwerpunkte der BTK berichten. Der Bericht wird hier der Tierärzteschaft zur Kenntnis gegeben, es gilt das gesprochene Wort.

 

Wahlprüfsteine

Das Deutsche Tierärzteblatt hat Fragen zu einigen aus Sicht der Tiermedizin derzeit relevanten Themen an die Fraktionen des 19. Deutschen Bundestags gestellt, die sich am Positionspapier der BTK zur Bundestagswahl orientieren. Aufgrund des hohen Fragenaufkommens vor den Wahlen mit entsprechend langer Bearbeitungszeit, gingen bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe lediglich die Antworten der Fraktion Die Linke ein. Die Antworten der übrigen Bundestagsfraktionen werden auf der BTK-Homepage (Bereich BTK/DTBl.) veröffentlicht, sobald sie vorliegen.

 

Qualzuchturteil

Neben der Form ist die Farbe das markanteste Erscheinungsbild des Hundes. So sind und werden Sonderfarben, die in der Regel von den Zuchtverbänden ausgeschlossen sind, wie der Blue Line-Bullterrier und der blaue Dobermann, immer beliebter. Die Zucht und Kreuzung von Hunden mit dem Ziel, besondere Fellfarben zu erreichen, führt nicht selten zu Qualzüchtungen, wie der hier von Dr. Christian Reichelt und Kenny Geißler vorgestellte Fall aus der Landeshauptstadt Dresden anhand der Zucht von weißen/cremefarbenen Dobermann-Pinschern zeigt.

 

Termine 2021

 
1. September Ausschuss für Pferde Berlin
16./17. September Erweitertes Präsidium

Berlin

17./18. September

Delegiertenversammlung Berlin

27. September

Ausschuss für Versuchstierkunde Berlin
7. Oktober

 

Ausschuss für Berufs- und Standesrecht, Geschichte und Ethik Berlin

27. Oktober

AK Pferd Berlin

16. November

Ausschuss für Kleintiere Berlin



Termine 2022

24./25. März Erweitertes Präsidium

Berlin

25./26. März Delegiertenversammlung

Berlin

15./16. September 29. Deutscher Tierärztetag

Berlin

Termine ATF-Fortbildungen/Gemeinschaftsveranstaltungen

Präsenzveranstaltungen

Online-Fortbildungen

 

 

Bleiben Sie gesund!

 

Mit freundlichen Grüßen
Ihre BTK-Geschäftsstelle

 

*Quellen der jeweiligen Artikel sind die angegebenen Links.