Aktueller Rundbrief: Ausgabe 9 – September 2019

Hier steht Ihnen der monatliche Rundbrief der BTK-Geschäftsstelle mit Aktuellem rund um die Bundestierärztekammer und den tierärztlichen Beruf zur Verfügung.

BTK-HERBST-DELEGIERTENVERSAMMLUNG

Am 13./14.09.2019 fand die Herbst-Delegiertenversammlung der BTK in Berlin statt. Dort wurde Dr. Uwe Tiedemann als Präsident der Bundestierärztekammer (BTK) wiedergewählt. Tiedemann ist seit 2016 Präsident der BTK und bereits seit 2006 Präsident der Tierärztekammer Niedersachsen.

Dem BTK-Präsidenten weiterhin zur Seite stehen werden Dr. Iris Fuchs als 1. Vizepräsidentin und Dr. Martin Hartmann als 2. Vizepräsident. Weitere Mitglieder im Präsidium der BTK sind Dr. Siegfried Moder (Ressort „Praktische Berufsausübung"), Dr. Holger Vogel („Öffentliches Veterinärwesen und gesundheitlicher Verbraucherschutz") sowie Prof. Dr. Dr. h. c. Martin Kramer („Weiterbildung, Forschung und Industrie"). Das Ressort „Internationale Angelegenheiten" wird weiterhin von Dr. Cornelia Rossi-Broy verantwortet.

Das wiedergewählte BTK-Präsidium mit dem ATF-Vorsitzenden.

Die Delegiertenversammlung wählte außerdem den Vorstand der Akademie für tierärztliche Fortbildung (ATF). Bestätigt im Amt wurde der Vorsitzende Prof. Dr. Axel Wehrend für die dritte Amtszeit. Prof. Wehrend leitet die Klinik für Geburtshilfe, Gynäkologie und Andrologie der Groß- und Kleintiere mit Tierärztlicher Ambulanz der Justus-Liebig-Universität Gießen. Als stellvertretenden Vorsitzenden wählten die Delegierten einstimmig Prof. Dr. Dr. h.c. Martin Kramer (Gießen), der seit 2016 auch Mitglied des BTK-Präsidiums für das Ressort „Weiterbildung, Forschung und Industrie" ist. Als weitere Vorstandsmitglieder wurden Dr. Karl Eckart (Buxheim), Dr. Bodo Kröll (Erfurt), Dr. Heidi Kübler (Obersulm), Dr. Bettina Laub (Horst) und Prof. Dr. Stephan Neumann (Göttingen) bestätigt. Die Mitglieder des Vorstands vertreten eine große Bandbreite tierärztlicher Tätigkeitsfelder.

Pressemitteilung vom 14.09.2019

 

LÄNDER BESCHLIEßEN ISOFLURANNARKOSE DURCH LAIEN

Der Bundesrat hat am 20.09.2019 der Ferkelbetäubungssachkundeverordnung mit Änderungen und Entschließungen zugestimmt. Der Entwurf war bis zuletzt stark umstritten. Landwirte und andere Laien dürfen die Narkose mit Isofluran zur Betäubung von Ferkeln nun künftig selber durchführen. Voraussetzungen sind u. a. ein kurzer Lehrgang, eine praktische Anleitung und eine Prüfung. Aufgrund einer Reihe von Änderungswünschen muss die Verordnung in Brüssel nachnotifiziert werden und kann nicht im Oktober sondern wohl erst im nächsten Jahr in Kraft treten.

Die Bundestierärztekammer hatte mit Unterstützung von Verbänden, Landestierärztekammern und einzelnen Kolleginnen und Kollegen vergeblich versucht, diesen Weg zu verhindern durch fachliche Stellungnahmen, Gespräche und Pressemitteilungen. Wir berichteten u. a. im Deutschen Tierärzteblatt und im Rundbrief.

Der Verordnungstext ist auf den Internetseiten des Bundesrates zu finden.
Grunddrucksache
Beschluss

 

TODESFÄLLE VON HUNDEN IN NORWEGEN

Mitte September wurde bekannt, dass es in Norwegen zu vermehrten Todesfällen bei Hunden mit akuter hämorrhagischer Gastroenteritis kam. Die Meldung führte bei Hundebesitzern mit dem Urlaubsziel Norwegen zu erheblicher Verunsicherung. Die Ursache für diese tödliche Erkrankung blieb zunächst unklar, inzwischen lassen pathologische Untersuchungen vieler verendeter Hunde darauf schließen, dass die Bakterien Providencia alcalifaciens und Clostridium perfringens an dem Krankheitsgeschehen beteiligt sein könnten. Derzeit gibt es noch keine abschließenden Erkenntnisse zu den Ursachen. Eine offizielle Reisewarnung gibt es nicht. Es sind keine Berichte über das vermehrte Auftreten ähnlicher Fälle in Dänemark oder anderen Nachbarländern bekannt. Es laufen noch Umfragen bei Tierärzten und virologische Tests. Ausgeschlossen wurden bereits Vergiftungen, Tularämie, Salmonellose, Parvovirose sowie Infektionen mit Campylobacter, Giardien oder Cryptosporidien. Die norwegische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat Hundebesitzern die folgenden Ratschläge erteilt:

  • Vermeiden Sie engen Kontakt mit anderen Hunden.
  • Lassen Sie den Hund nicht andere Hunde begrüßen.
  • Vermeiden Sie, dass der Hund in Bereichen schnüffelt, in denen andere Hunde gewesen sind.
  • Wenn Sie blutigen oder wässrigen Durchfall, Erbrechen und eine rasche Verschlechterung des Allgemeinzustands Ihres Hundes bemerken, suchen Sie sofort die Tierklinik auf.
  • Rufen Sie Ihren Tierarzt an, bevor Sie Ihren Hund in die Klinik bringen.
  • Befolgen Sie die Impfempfehlungen

Hier finden Sie ein Interview mit dem Tierarzt Prof. Achim Gruber: https://www.augsburger-allgemeine.de/wissenschaft/25-tote-Tiere-in-Norwegen-Experte-beschwichtigt-deutsche-Hundehalter-id55407041.html

Vorsicht in Bezug auf Reisen mit dem Hund nach Norwegen sei eine gute Empfehlung. Grund zur Panik bestehe aber derzeit nicht.

Unter diesem Link finden Sie die Informationen der zuständigen Behörde in Norwegen in englischer Sprache, die den aktuellen Stand der Untersuchungen schildern: https://www.vetinst.no/en/news

Interessant ist, dass in Haltungen, in denen mehrere Hunde leben, meistens nur ein Tier erkrankt. Dies spricht dafür, dass ein möglicher Erreger zwischen Hunden nicht leicht übertragbar ist.

 

 

WEITERE AUSBREITUNG DES WEST-NIL-VIRUS

Von Anfang Juli bis Mitte September 2019 stellte das Nationale Referenzlabor für Infektionen mit dem West-Nil-Virus (WNV) des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) fünf Fälle bei Pferden mit zentralnervösen Störungen aus Sachsen und Sachsen-Anhalt sowie 37 positive Befunde bei Vögeln aus den Bundesländern Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Sachsen fest. Zwar zeigt im allgemeinen nur ein Teil der infizierten Pferde Krankheitssymptome, aufgrund des möglichen schweren Verlaufs mit deutlichen zentralnervösen Ausfallerscheinungen, wie Stolpern, Nachhandlähmungen, Ataxien, allgemeine Schwäche, Muskelzittern (Tremor) und Lähmungen bis zum Festliegen der Tiere, wird dennoch eine Impfung der Pferde in den jetzt betroffenen Regionen empfohlen. Hierzu veröffentlichte die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) bereits im letzten Jahr eine Stellungnahme. Mit weiteren Erkrankungsfällen ist zu rechnen.

Pferde mit klinischen Anzeichen können die Infektion zwar überleben, behalten aber in bis zu 20 Prozent der Fälle lebenslang neurologische Schäden zurück. Eine spezifische Behandlungsmöglichkeit gibt es nicht, nur eine symptomatische Therapie ist möglich. Bei 22 bis 44 Prozent der infizierten Tiere kann die Erkrankung tödlich verlaufen. In Deutschland sind drei inaktivierte Impfstoffe für die Anwendung beim Pferd zugelassen.

Weitere Ausbreitung des West-Nil-Virus: Amtlich bestätigte Fälle bei Vogel und Pferd (Stand 12.09.2019; blau – Pferde, rot – Vögel) © FLI

Betroffene Vogelarten sind bisher bei Wildvögeln Blau- und Kohlmeise, Habicht, Sperling und Uhu sowie verschiedene Zoovögel. Im Vergleich zum Vorjahr sind deutlich mehr Vogelspezies betroffen. Auch bei Vögeln ist mit weiteren WNV-Fällen zu rechnen.

Bisher wurden die WNV-Fälle in Regionen festgestellt, die bereits im letzten Jahr betroffen waren, mit Ausnahme von Brandenburg. Daher ist mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der WNV erfolgreich in einheimischen Stechmücken überwintert hat. Außerdem trat wie im letzten Jahr in den Wochen vor dem ersten WNV-Fall das engverwandte Usutu-Virus wiederum verstärkt bei Wildvögeln auf. Die Epidemie hält nach wie vor an und führte in manchen Regionen wiederholt zu Massensterben, insbesondere von Amseln. Infektionen mit WNV beim Vogel und Pferd gehören zu den anzeigepflichtigen Tierseuchen. Es gibt derzeit keine nationale Bekämpfungsverordnung.

Pressemitteilung vom FLI (12.09.2019)

 

HALTUNG VON PFERDEN - HINWEISE FÜR AMTSTIERÄRZTE

Auswertungen von Amtstierärzten zeigen, dass nahezu alle Bereiche bezüglich Haltung und Unterbringung von Pferden tierschutzrelevante Mängel aufweisen können. Daher hat die Landestierärztekammer Hessen auf der LTK-Webseite Links zu Leitlinien, Merkblättern und Checklisten zusammengestellt, die bei der Kontrolle von Pferdehaltungen hilfreich sein können. 

 

AKTUELLE INFOS DES FLI ZUR BLAUZUNGENKRANKHEIT

Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) hat einen aktualisierten Steckbrief zur Blauzungenkrankheit veröffentlicht. Darin wird u. a. auf die empfänglichen Arten, das Verbreitungsgebiet, den Erreger, die Übertragungswege, das klinische Bild und auch die Diagnostik und die Bekämpfung eingegangen. In diesem Jahr ist das Virus in Deutschland bereits mehrfach nachgewiesen worden, weshalb in den meisten süddeutschen Bundesländern entsprechende Restriktionsgebiete eingerichtet wurden. Der letzte Nachweis erfolgte laut dem TierSeuchenInformsationsSystem (TSIS) am 29.05.2019 in Baden-Württemberg.

Steckbrief Blauzungenkrankheit (FLI)
TierSeuchenInformationsSystem
Artikel auf vetion.de (03.09.2019)

 

RINGSTUDIE "PRÄVENTION DER FELINEN HYPERTONIE"

Eine Projektgruppe der Technischen Universität Dresden ist auf der Suche nach Partnerpraxen, welche die Gruppe in der Durchführung einer Ringstudie zum Thema "Prävention der felinen Hypertonie durch natürliche bioaktive Peptide" unterstützen.

Die Gruppe forscht seit über 10 Jahren an ACE-Inhibitoren aus natürlichen Proteinquellen und konnte bereits eine ACE-hemmende und blutdruckregulierende Wirkung der bioaktiven Molkenpeptide im Organismus zeigen. Im Rahmen einer Projektförderung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie soll ein Diätfuttermittel für Katzen entwickelt werden, welches über die Beeinflussung des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems eine positive Wirkung auf das Herz-Kreislaufsystem und speziell auf den Blutdruck erzielen kann. Um die Wirkung der Peptide bei feliner Borderline-Hypertonie besser zu verstehen, werden Studienpartner gesucht, die die bioaktiven Molkenpeptide im Quartal 04/2019 im Rahmen einer 6-monatigen Ringstudie testen.

Studienaufruf der TU Dresden

 

FLI AKTUALISIERT INFOS ZU SCHMALLENBERG

Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) hat einen aktualisierten Steckbrief zum Schmallenberg-Virus veröffentlicht und zum Download bereitgestellt. Darin geht das FLI auf die empfänglichen Arten, das Verbreitungsgebiet, den Erreger, die Übertragungswege, auf Klinik und Diagnostik, mögliche Differentialdiagnosen sowie die Bekämpfungsmöglichkeiten ein. Das Virus wurde erstmals im Jahr 2011 in Nordwestdeutschland festgestellt, von wo aus es sich bundesweit und über einige Teile Europas ausbreitete. Empfänglich für das Virus sind neben Rindern, Schafen und Ziegen auch Alpakas, Bisons und verschiedene Wildtiere. Für den Menschen stellt das Virus keine Gefahr dar. Das FLI rechnet auch künftig periodisch mit Neuausbrüchen. Während bei einer Infektion mit dem Virus bei adulten Schafen und Ziegen keine Symptome beobachtet werden, zeigen adulte Rinder für einen Zeitraum von wenigen Tagen Symptome wie hohes Fieber von bis zu 41 Grad Celsius, wässrigen Durchfall und temporär deutlich absinkende Milchleistung. Erfolgt die Infektion zudem während der Trächtigkeit, kommt es zu Missbildungen der Frucht, deren Schweregrad vom Trächtigkeitsstadium abhängt. Missbildungen treten auch bei Schafen und Ziegen auf.

Webseite FLI
Artikel auf vetion.de

 


Inhalte Deutsches Tierärzteblatt Oktober 2019

 

Qualzucht bei Nutztieren

Die Einsetzung der Arbeitsgruppe (AG) „Qualzucht bei Nutztieren" der BTK im Januar 2019 hat die Diskussion um diese Problematik erneut belebt. Eine interdisziplinäre Bearbeitung erschien zweckmäßig, sodass man sich mit Vertretern der Zuchtverbände und Beratern zu einem ersten Meinungsaustausch traf. Für die BTK-AG nahmen Dr. Sylvia Heesen und Prof. Dr. Holger Martens teil, die hier mit den übrigen Teilnehmern über das Gespräch berichten.

Organ-on-a-chip

Die Entwicklung von Alternativmethoden zu Tierversuchen steht in der Versuchstierkunde an erster Stelle. Organ-on-a-chip-Systeme sollen Forschung und Medizin revolutionieren und dabei Tierversuche überflüssig machen. Dr. Ing. Frank Schulze und Prof. Dr. Marlon R. Schneider stellen diese Systeme hier vor und erläutern, was sie leisten können und wie ihre Zukunft aussehen könnte.

Tätigkeitsbericht des BTK-Präsidenten

Am 13./14.09.2019 fand in Berlin die Herbst-Delegiertenversammlung der BTK statt, auf der BTK-Präsident Dr. Uwe Tiedemann wieder einen Bericht über seine Tätigkeiten seit der letzten Delegiertenversammlung abgab.

TFA-Fort- und Weiterbildung

Dr. Petra Sindern, Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft des bpt zur Anerkennung von Fort- und Weiterbildungen von Tiermedizinischen Fachangestellten (TFAs), informiert hier über eine Änderung des Anerkennungsverfahrens.

 

 

Termine 2019

29. Oktober Juristischer Arbeitskreis Berlin
19. Dezember Präsidium Berlin
2020    
18. Februar Bundesweiterbildungsarbeitskreis Hannover
19./20. März Erweitertes Präsidium Berlin
20./21. März Frühjahrs-Delegiertenversammlung Berlin
25./26. Mai Geschäftsführerkonferenz Saarlouis

Mit freundlichen Grüßen
Ihre BTK-Geschäftsstelle

 

*Quellen der jeweiligen Artikel sind die angegebenen Links.