Aktueller Rundbrief: Ausgabe 6 – Juni 2024

Hier steht Ihnen der monatliche Rundbrief der BTK-Geschäftsstelle mit Aktuellem rund um die Bundestierärztekammer und den tierärztlichen Beruf zur Verfügung.

 

BTK-Stellungnahme zum Betäubungsvorbehalt bei der Enthornung

Aus aktuellem Anlass hat die BTK eine Stellungnahme zum Betäubungsvorbehalt bei der Enthornung von unter 6 Wochen alten Rindern abgegeben. Hintergrund ist die mit der Novelle des Tierschutzgesetzes geplante Streichung der Ausnahme vom Betäubungsgebot für das Entfernen der Hornanlagen und die vergangene Woche vom Agrarausschuss des Bundesrats formulierte Empfehlung, eine Regelung zu treffen, die Landwirt:innen – analog zur Ferkelkastration – die Durchführung der erforderlichen Lokalanästhesie erlaubt. Die BTK hat sich bereits bei der Diskussion um die Abgabe von Isofluran an medizinische Laien klar dagegen positioniert und vertritt die Ansicht, dass Medikamente, die Suchtpotential beim Menschen besitzen, keinesfalls an Landwirt:innen abgegeben werden dürfen. Die Anwendung parenteral zu verabreichender Analgetika muss in tierärztlicher Hand verbleiben.

 

PEI: Informationen zur Impfung gegen BTV3

Seit Herbst 2023 wurde das Virus der Blauzungenkrankheit des Serotyps 3 (BTV3) in Europa, d. h. insbesondere in den Niederlanden, Belgien und Deutschland (in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und jüngst in Rheinland-Pfalz), festgestellt.

In der EU und damit auch in Deutschland steht derzeit noch kein zugelassener Impfstoff gegen BTV3 zur Verfügung. Nun wurde eine Möglichkeit zur BTV3-Impfung der Tiere geschaffen.

Per Eilverordnung (https://www.recht.bund.de/bgbl/1/2024/181/VO) gestattet das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) die Anwendung von drei nicht zugelassenen Impfstoffen gegen Infektionen mit dem BTV3, die das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) nach einer beschleunigten Bewertung benannt hat:

  • Bultavo 3 der Firma Boehringer Ingelheim Vetmedica GmbH
  • Bluevac-3 der Firma CZ Vaccines S.A.U.
  • Syvazul BTV 3 der Firma Laboratorios Syva S.A.

Trotz naturgemäß sehr kurzer Frist, gelang es der BTK, gemeinsam mit bpt und BbT, eine befürwortende Stellungnahme zum Entwurf der Eilverordnung einzureichen.

Weitere Informationen zu den Impfstoffen finden Sie auf der Webseite des PEI unter www.pei.de/DE/newsroom/veroffentlichungen-arzneimittel/sicherheitsinformationen-veterinaer/sicherheitsinformationen-veterinaer-node.html.

Das PEI erfasst zentral Meldungen zu unerwünschten Ereignissen nach der Anwendung von Impfstoffen und bewertet diese (Pharmakovigilanz). Dies gilt auch für Meldungen im Zusammenhang mit den Impfungen gegen BTV3. Ziel der Bewertung ist es, aufgrund der Notfallsituation und der bislang wenigen verfügbaren Daten das Nutzen-Risiko-Verhältnis bei sachgemäßer Anwendung der nicht zugelassenen BTV3-Impfstoffe zu analysieren. Meldungen können dem PEI, wie bei allen Impfstoffen, über das Online-Meldeportal (www.vet-uaw.de) direkt per E-Mail (vetmittelsicherheit@pei.de) bzw. mittels Meldeformular (www.pei.de/SharedDocs/Downloads/DE/arzneimittelsicherheit/vet-vigilanz/uaw-formular-vet.html) mitgeteilt werden.

 

Studie: Einsatz Cannabidiol (CBD)-haltiger Produkte in der Tiermedizin

In einer Dissertation von Clarissa Peitz unter der Betreuung von Prof. Dr. Melanie Hamann am Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Justus-Liebig-Universität Gießen werden die möglichen Therapiegebiete sowie Risiken von und die rechtlichen Anforderungen an CBD-haltige Produkte untersucht. Die gezeigten Wirkungen von CBD erscheinen vielversprechend, doch gibt es bisher keine Evaluation des tatsächlichen Einsatzes von CBD-haltigen Produkten bei Tieren. Die Onlineumfrage soll helfen, Fakten zu schaffen und so den Bedarf an weiteren therapeutischen Studien sowie klaren rechtlichen Empfehlungen aufzeigen.

Die Teilnahme erfolgt freiwillig sowie anonym, dauert ca. 5 Minuten und steht bis 20.07.2024 zur Verfügung.

Umfrage: https://survey.hrz.uni-giessen.de/index.php/723628?lang=de  

 

ASP in Mecklenburg-Vorpommern und Hessen

Nachdem das Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern (LALLF) Proben positiv auf den Erreger der Afrikanischen Schweinepest (ASP) getestet hat, bestätigte nun auch das Nationale Referenzlabor für ASP am Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) den Verdachtsfall. Die Proben stammen von klinisch auffällig gewordenen Schweinen aus einem Schweinemastbetrieb im Landkreis Vorpommern-Greifswald. Die genaue Eintragsursache ist bisher unklar. Derzeit deute aber nichts auf ein aktives Seuchengeschehen beim Schwarzwild in dieser Region hin, berichtet das FLI.

Im Juli 2021 kam es zu einem ersten Eintrag der ASP bei Hausschweinen in Deutschland. Seitdem gab es insgesamt acht Ausbrüche bei Hausschweinen in Brandenburg, Niedersachsen, Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern, der letzte wurde im Februar 2023 festgestellt.

Durch das örtlich zuständige Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt wurden die Seuchenschutzmaßnahmen der Schweinepestverordnung umgesetzt. Der Betrieb wurde amtlich gesperrt und tierseuchenrechtliche Maßnahmen eingeleitet. Um eine mögliche Eintragsursache des Erregers zu identifizieren, werden epidemiologische Untersuchungen eingeleitet. Das A und O bleibe die strikte Einhaltung der Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen.

Bei einem krank erlegten Wildschwein aus dem Landkreis Groß-Gerau in Hessen bestätigte das Nationale Referenzlabor des FLI am 15. Juni ASP. Das Tier war nahe einer Landstraße gesichtet worden. Zwei in der Nähe tot aufgefundene Wildschweine wurden im Landeslabor ebenfalls untersucht, allerdings mit negativem Ergebnis. Dies ist der erste Fall der anzeigepflichtigen Tierseuche in Hessen. Die zuständigen Landesbehörden leiteten umgehend Schutzmaßnahmen ein. Außerdem sind epidemiologische Untersuchungen zur Infektionsursache angelaufen, die vom FLI auch vor Ort unterstützt werden.

Nach aktuellem Stand (24.06.2024) gibt es mittlerweile fünf weitere Fälle von toten, infizierten Wildschweinen.

 

Vetjoy – Gutscheine für Coaching

Da Studien gezeigt haben, dass Tierärzt:innen unter einem alarmierenden Maß an Stress leiden, was zu Burnout führen und die Arbeit beeinträchtigen kann, hat sich die Federation of Veterinarians of Europe (FVE) des Themas angenommen. Dank großzügiger finanzieller Unterstützung von Zoetis konnte sie nun eine Plattform aufbauen, die Tierärzt:innen in ganz Europa kostenlos Ressourcen zum Thema Mental Health zur Verfügung stellt: z. B. Podcasts und Videos zum Thema mentale Gesundheit und Gestaltung von Arbeitsplätzen oder Mentoringprogramme für Berufsanfänger:innen. Auch Gutscheine für Coachings können unter https://vetjoy.org/ abgerufen werden – hier gilt „first come, first serve“.

Das Ziel von Vetjoy ist, Arbeitsplätze in der Tiermedizin so zu gestalten, dass sich jedes Teammitglied wertgeschätzt, respektiert und unterstützt fühlt. Tierärztliche Einrichtungen in ganz Europa können sich für Gutscheine für ein Coaching zum mentalen Wohlbefinden bewerben.

Auch wenn Sie Interesse haben, sich als Mentor:in oder Coach zur Verfügung zu stellen, können Sie sich über die Website registrieren. Für Rückfragen und Anregungen können die Koordinatoren unter hello@vetjoy.org kontaktiert werden.

 

Geflügelpest: Keine Hinweise auf H5N1-Infektionen bei Milchkühen außerhalb der USA

Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) führt derzeit eine Infektionsstudie zur Empfänglichkeit von Milchkühen für hochpathogenes Aviäres Influenzavirus H5N1 (HPAIV H5N1) durch. Als erstes Zwischenergebnis konnte sich nicht nur das US-Isolat, sondern auch ein aktuelles H5N1-Virus aus einem Wildvogel aus Deutschland im Euter sehr gut vermehren. Nach der direkten Infektion des Euters über die Zitzen zeigten die Milchkühe in beiden Fällen eindeutige Krankheitssymptome wie starken Milchrückgang, Veränderung der Milchkonsistenz und Fieber

Die Risikoeinschätzung des FLI zu Geflügelpest inklusive empfohlener Maßnahmen ändert sich durch das Zwischenergebnis aber nicht, da die Möglichkeit der Infektion mit anderen HPAIV H5-Stämmen in der aktuellen Version der Einschätzung bereits berücksichtigt wurde. Sowohl das Risiko des Eintrags des US-amerikanischen HPAI H5N1-Stammes (B3.13) in deutsche Rinderbestände einschließlich Milchkuhbetriebe als auch das Risiko der Infektion von Rindern mit in Europa vorkommenden HPAI H5-Viren wird für Deutschland als sehr gering eingeschätzt. Dennoch wird eine erhöhte Aufmerksamkeit empfohlen, und insbesondere bei unklaren und gehäuften Erkrankungsfällen in Milchkuhbeständen sollte bei der Untersuchung auch HPAV H5 berücksichtigt werden. Im Gegensatz zu den USA gibt es weder in Deutschland noch in anderen Ländern weltweit Hinweise auf ähnliche Infektionsgeschehen mit HPAIV H5N1.

Die direkte Infektion des Euters durch das Virus scheint von besonderer Bedeutung zu sein. Seit dem erstmaligen Nachweis des Erregers vor 27 Jahren in vielen Ländern, insbesondere in Asien, besteht ein möglicher Kontakt von Wiederkäuern wie Wasserbüffeln und Rindern mit den Ausscheidungen infizierter Wildvögel, ohne dass jemals ähnliche Infektionsereignisse beobachtet wurden. Welche genauen Umstände zum Start des Infektionsgeschehens in den USA führten, ist nach wie vor nicht bekannt. 

Das FLI untersuchte vorsorglich bereits rund 1400 Rinderserumproben von Kühen aus von Geflügelpest besonders betroffenen Regionen in Deutschland auf Antikörper und etwa 350 Tankmilchproben aus verschiedenen Regionen mittels PCR auf Virusgenom, mit jeweils negativem Ergebnis. Weitere Untersuchungen von Tankmilchproben bis zu einer Gesamtzahl von etwa 1500 werden folgen.

 

Umfrage: Antibiotikaeinsatz in der Kleintiermedizin

Im Rahmen ihrer Doktorarbeit an der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo) erfasst Alicia Rojahn Daten zur mikrobiologischen Probennahme und zum Antibiotikaeinsatz in der Kleintiermedizin allgemein und in der Reproduktionsmedizin beim Kleintier. Die Umfrage richtet sich an alle Tierärzt:innen, nicht nur an auf die Reproduktionsmedizin spezialisierte Kolleg:innen. Betreut wird das Projekt von Prof. Dr. Sandra Goericke-Pesch, Leiterin der Arbeitsgruppe Kleintier der Reproduktionsmedizinischen Einheit, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover.

 

Umfrage: https://survey.tiho-hannover.de/survey3/index.php/524346?lang=de

Kontakt: Alicia.Rojahn@tiho-hannover.de

 

Neue bzw. überarbeitete Positionspapiere der FVE

Bei der Sitzung am 14./15. Juni 2024 wurden von der Generalversammlung der Federation of Veterinarians of Europe (FVE) zwei Positionspapiere verabschiedet:

  • überarbeitete Fassung des Papiers zur Telemedizin: Die FVE hat bereits 2020 Empfehlungen zur Telemedizin erarbeitet und veröffentlicht, die nun überarbeitet wurden. Wesentlicher Grundsatz ist, dass Telemedizin nur ergänzend zum Einsatz kommen sollte. Da in den 38 Mitgliedsländern der FVE sehr unterschiedliche Strukturen anzutreffen sind, bleiben die Empfehlungen naturgemäß eher allgemein.
    Die von der Arbeitsgruppe (AG) „Telemedizin“ der BTK erarbeiteten und von der BTK-Delegiertenversammlung verabschiedeten Empfehlungen sind genauer auf die Situation in Deutschland ausgerichtet (s. https://www.bundestieraerztekammer.de/tieraerzte/leitlinien/ „Sonstiges“).
  • Grundsatzpapier zur Beeinflussung des Wohlbefindens von Tieren durch Trainingsmethoden und Verhaltensmodifikation: Das Papier wurde in intensiven Diskussionen von FVE, FECAVA*, FEEVA* und WSAVA* gemeinsam erarbeitet und nun mit einem einstimmigen Votum von der FVE-Generalversammlung verabschiedet. Es skizziert die Zusammenhänge zwischen Tierverhalten, Tiertraining und Tierschutz sowie Empfehlungen zur Förderung und Sicherstellung guter Praxis unter Anerkennung und Förderung der Bedeutung und Relevanz des Tierverhaltens für den Tierschutz und den tierärztlichen Berufsstand. Der Schwerpunkt des Papiers liegt auf Hunden, Katzen und Pferden. Es dient als Einführungspapier für weitere artspezifische Positionspapiere zu verhaltensbezogenen Themen, sowohl für diese Tierarten als auch für andere, deren Erarbeitung von der FVE vorgesehen ist.

Positionspapiere online:

* FECAVA: Federation of European Companian Animal Veterinary Associations; FEEVE: Federation of European Equine Veterinary Associations; WSAVA: World Small Animal Veterinary Association

 

 

FVE-News

 

Umfrage: Fehlerkultur in der Tiermedizin (2. Teil)

Im Rahmen ihrer Doktorarbeit an der Stiftung Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo), erfasst Corinna Karl in einem Fragebogen den aktuellen Umgang mit Fehlern in der Tiermedizin in Deutschland. Die Betreuung findet durch Prof. Dr. Holger Volk und Dr. Claudia Busse der Kleintierklinik der TiHo statt.

Der zweite Durchlauf mit der zweiten Umfrage, richtet sich nun an die Tiermedizinischen Fachangestellten (TFA), Tierpfleger:innen und Assistent:innen in der Tiermedizin.

Umfrage: https://survey.tiho-hannover.de/survey3/index.php/286187?lang=de

Kontakt: corinna.michaela.karl@tiho-hannover.de

 


Inhalte Deutsches Tierärzteblatt Juli 2024

 

Diagnostik

Ein Autorenteam um Prof. Dr. Achim D. Gruber hat sich Gedanken gemacht um Unsicherheiten in der Diagnostik sowie gutachterliche Äußerungen und den professionellen Umgang damit, die hier vorgestellt werden.

Bericht aus dem BMEL

Anlässlich der Frühjahrs-Delegiertenversammlung der BTK berichtete Dr. Katharina Kluge über die aktuell im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) schwerpunktmäßig bearbeiteten und für die Tiermedizin relevanten Themen.

Statistik 2023

Die Deutsche Tierärzteschaft in Zahlen: Dies ist die Zusammenstellung der Daten aus den Landes-/Tierärztekammern mit Stand 31.12.2023.

 

Termine 2024

 

2. Juli

Bundesweiterbildungsarbeitskreis Hannover

8. Juli

Ausschuss für Berufs- und Standesrecht, Geschichte, Ethik Videokonferenz

10. Juli

Ausschuss für Pferde Berlin

11. Juli

Ausschuss für Tierseuchenrecht Berlin

16. Juli

Ausschuss für Finanzen und Haushalt Berlin

17. Juli

Präsidium Videokonferenz

17. Juli

Ausschuss für Arzneimittel- und Futtermittelrecht Videokonferenz

25. Juli

Ausschuss für Gebühren Berlin

30. Juli

AG Qualzuchten Videokonferenz

30./31. Juli

Geschäftsführerkonferenz München

20. August

Präsidium Berlin

3. September

Ausschuss für Wiederkäuer Berlin

12./13. September

Erweitertes Präsidium Berlin

13./14. September 

Herbst-Delegiertenversammlung  Berlin

15. Oktober

Präsidium Berlin

Termine 2025

20./21. März Erweitertes Präsidium Berlin
21./22. März Frühjahrs-Delegiertenversammlung Berlin
7. Oktober Erweitertes Präsidium Dortmund

8. Oktober

Herbst-Delegiertenversammlung Dortmund

9./10. Oktober

30. Deutscher Tierärztetag Dortmund

Termine ATF-Fortbildungen/Gemeinschaftsveranstaltungen

Präsenzveranstaltungen

Online-Fortbildungen

 

 

Bleiben Sie gesund!

 

Mit freundlichen Grüßen
Ihre BTK-Geschäftsstelle

 

*Quellen der jeweiligen Artikel sind die angegebenen Links.