Aktueller Rundbrief: Ausgabe 12 – Dezember 2020

Hier steht Ihnen der monatliche Rundbrief der BTK-Geschäftsstelle mit Aktuellem rund um die Bundestierärztekammer und den tierärztlichen Beruf zur Verfügung.

BABESIEN ÜBERTRAGENDE ZECKEN IN DEUTSCHLAND

Um „weiße Flecken" auf den Verbreitungskarten für Zecken weiter füllen zu können, bittet das Institut für Parasitologie der Stiftung Tierärztliche Hoschschule Hannover um weitere Einsendungen von Zecken. Das Institut forscht auch an der Winteraktivität (November bis Februar) sämtlicher Zeckenarten, um Auswirkungen des Klimawandels zu erfassen, auch hier sind Zusendungen erwünscht.

Das besondere Anliegen an die Tierärzteschaft ist jedoch die Mitteilung über das Auftreten der Babesiose, gerne über E-Mail an babesiose@tiho-hannover.de. Aufgrund der nunmehr bundesweiten Verbreitung der übertragenden Buntzecken (Dermacentor reticulatus) ist insbesondere mit einer Zunahme der autochthonen Fälle bzw. einer verstärkten regionalen Endemisierung der caninen Babesiose zu rechnen.

Weiteres Interesse besteht an der equinen Babesiose bzw. Theileriose, da Buntzecken auch die Erreger dieser Krankheiten übertragen und durch Pferdeimporte oder Reisen mit Pferden die Gefahr der Einschleppung besteht. Und auch Fälle der durch Ixodes ricinus übertragenen bovinen Babesiose können gerne gemeldet werden.

Weitere Informationen finden sich unter www.tiho-hannover.de/zecken

 

EU-STAATEN DÜRFEN RITUELLE SCHLACHTUNG OHNE BETÄUBUNG VERBIETEN

Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) dürfen EU-Staaten auch für rituelle Schlachtungen eine Betäubung des Tieres vorschreiben. Derartige Vorschriften verstießen nicht grundsätzlich gegen das Recht auf Religionsfreiheit, befanden die Richter in Luxemburg. Eine solche Vorgabe folge dem von der EU anerkannten Ziel, das Wohlergehen von Tieren zu fördern. Die Mitgliedstaaten hätten einen weiten Spielraum, um Tierschutz und Religionsfreiheit in ein „angemessenes Gleichgewicht" zu bringen.

Verhandelt wurde ein politisch brisanter Rechtsstreit aus Belgien. Dort hatte die Region Flandern 2017 die Schlachtung ohne Betäubung aus Tierschutzgründen verboten. Jüdische und muslimische Verbände klagten dagegen. In beiden Religionen gibt es Vorschriften zum Schlachten ohne Betäubung, um Fleisch koscher oder halal herzustellen. Gläubige sehen ihre Religionsfreiheit in Gefahr.

Der Verfassungsgerichtshof in Brüssel legte den Streit dem EuGH vor. Dem Urteil zufolge lässt das EU-Recht zwar in Ausnahmefällen und im Sinne der Religionsfreiheit die rituelle Schlachtung ohne vorherige Betäubung zu. Die EU-Staaten könnten aber dennoch selbst eine Verpflichtung zur Betäubung der Tiere vorsehen. Betroffen sei nur „ein Aspekt der spezifischen rituellen Handlung", hieß es. Das verhandelte Dekret aus Flandern achte die Religionsfreiheit, da es rituelle Schlachtungen nicht als solche verbiete. Zudem verbiete Flandern nicht die Einfuhr von Erzeugnissen, die von rituell geschlachteten Tieren stammen. Den belgischen Streit kann der Verfassungsgerichtshof in Brüssel nun allein nach nationalem Recht entscheiden.

Artikel im Spiegel vom 17.12.2020

 

STUDIE ZUM MEDIKAMENTENEINSATZ IN DEUTSCHER MILCHVIEHHALTUNG SUCHT TEILNAHMEWILLIGE TIERÄRZTE

Ein Projekt der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf zur Erfassung der eingesetzten Medikamentenmengen in der deutschen Milchviehhaltung bittet um Unterstützung. In einer bayernweiten Pilotstudie konnte bereits die Vermutung bestätigt werden, dass sich der Einsatz von allopathischen Wirkstoffen auf wenige Organsysteme beschränkt [Zeiler et al., 2020]. Diese Studie soll nun deutschlandweit ausgeweitet werden, um diese Aussage zu untermauern und so Fakten im Bereich Milchvieh zu schaffen.

Um das Projekt umsetzen zu können, werden Nutztierpraktiker und ihre Landwirte gesucht, die bereit sind, die Verbesserungen und Fortschritte in der Tiergesundheit in den letzten Jahren einer breiten Öffentlichkeit darzustellen. Dafür werden die AuA-Belege der milchviehhaltenden Betriebe der Jahre 2018 bis 2020 möglichst in digitaler Form benötigt.

Wenn Ihr Interesse geweckt wurde und Sie an dem Forschungsprojekt teilnehmen möchten, melden Sie sich bitte telefonisch oder per E-Mail bei den Projektleitern Carsten Hümmer und Felix Versen,
Tel. +49 9826 654359 oder +49 8161 716476, carsten.huemmer@hswt.de oder felix.versen@hswt.de.

 

MEHR TIERSCHUTZ AM SCHLACHTHOF

Unter Koordination des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) ist ein Forschungsprojekt über tierschutzgerechte Alternativen zur Kohlendioxidbetäubung von Schlachtschweinen gestartet. Im Fokus der geplanten Forschungsarbeiten stehen drei Hauptaspekte: Zunächst wird eine neue Begasungstechnik in praxisübliche Kohlendioxidbetäubungsanlagen integriert werden, um den Wissenstransfer von der Forschung in die Praxis zu beschleunigen und eine schnelle Anwendung des neuen Verfahrens in der Praxis zu ermöglichen. Anschließend sollen alternative Gase und Gasmischungen erforscht werden, die eine schnelle und wirksame Betäubung der Schlachttiere garantieren, aber weniger reizend auf die Schleimhäute wirken. Zusätzlich wird die Fleischbeschaffenheit in Abhängigkeit vom Betäubungsverfahren untersucht, um eine hohe Fleischqualität zu gewährleisten.

Zur Sicherstellung einer schnellen und wirtschaftlichen Umsetzbarkeit in Schlachtbetrieben sollen die Untersuchungen nicht nur in kontrollierten Versuchen, sondern auch unter Feldbedingungen durchgeführt werden. Das Projekt, dessen Laufzeit auf drei Jahre ausgelegt ist, wird durchgehend von einem Ausschuss aus Vertretern der relevanten Interessengruppen begleitet, u. a. von Tierschutzorganisationen, der Fleischwirtschaft und dem Lebensmittelhandel.

Presseinformation vom 24.11.2020

 

NEUE EMA-CHEFIN UND MEHR EU-GESUNDHEITSKOMPETENZEN

Emer Cooke ist die neue Chefin der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA). Die irische Apothekerin folgt auf den italienischen Arzt Guido Rasi und wird die Behörde die kommenden fünf Jahre lenken. Rasi hatte seit 2011 an der Spitze der EMA gestanden. Cookes Hauptanliegen sei es, die Reaktion der EMA auf die Pandemie voranzutreiben und die laufende Arbeit an der Entwicklung und Zulassung von sicheren und effektiven COVID-19-Impstoffen und Behandlungsmöglichkeiten zu unterstützen. Sie betonte zudem, die Behörde müsse darüber hinaus auch die anderen großen Herausforderungen wie Antibiotikaresistenzen angehen.

Um künftig ein gemeinsames Krisenmanagement der EU-Staaten zu ermöglichen, hat die EU-Kommission ihre Vorschläge für eine europäische Gesundheitsunion vorgelegt. Die Coronavirus-Pandemie habe gezeigt, dass man eine engere Koordinierung in der EU, resilientere Gesundheitssysteme und eine bessere Vorsorge gegen künftige Krisen brauche, sagte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Im Zuge des Pandemieplans soll die EU daher mehr rechtliche Befugnisse erhalten, um bei künftigen schwerwiegenden Gesundheitsbedrohungen konzertiert reagieren und vorsorgen zu können.

So soll es künftig möglich sein, den EU-Notstand auszurufen. Dies würde dann eine engere Koordinierung auslösen und die Entwicklung, Bevorratung und Beschaffung von krisenrelevanten Produkten gestatten. Zwecks besserer Vorsorge soll zudem ein EU-Vorsorgeplan für Gesundheitskrisen und Pandemien ausgearbeitet werden sowie einschlägige Empfehlungen zwecks Annahme von Plänen auf nationaler Ebene. Die Erstellung nationaler Pläne soll vom Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) und anderen EU-Agenturen unterstützt und durch Stresstests überprüft werden. Darüber hinaus soll es eine bessere Datenübermittlung geben. Dazu sollen die Mitgliedstaaten verpflichtet werden, ihre Berichterstattung über Indikatoren der Gesundheitssysteme zu erweitern. Geplant sind etwa Angaben zu freien Krankenhausbetten, speziellen Behandlungs- und Intensivpflegekapazitäten, Anzahl der medizinischen Fachkräfte und Ähnlichem. Die EU-Agenturen, sprich das ECDC und die EMA, sollen künftig auch mit mehr Mandaten ausgestattet werden. So soll die EMA künftig eine „unionsweit koordinierte Reaktion auf Gesundheitskrisen herbeiführen können". Konkret wird es Aufgabe der EMA sein, das Risiko von Versorgungsengpässen bei kritischen Arzneimitteln und Medizinprodukten zu überwachen und zu verringern.

Grundsätzlich ist auch eine neue Institution geplant, die sogenannte Behörde für die Krisenvorsorge und -reaktion bei gesundheitlichen Notlagen (Health Emergency Response Authority – HERA). Diese will die EU-Kommission noch vor Ende 2021 vorschlagen.

Artikel vom 16.11.2020 zur neuen EMA-Chefin (Pharmazeutische Zeitung)
Artikel vom 11.11.2020 zu neuen EMA-Kompetenzen (Pharmazeutische Zeitung)

 

THOMAS BENKERT IST NEUER PRÄSIDENT DER BUNDESAPOTHEKERKAMMER

Die Mitgliederversammlung der Bundesapothekerkammer (BAK) wählte Thomas Benkert einstimmig zum neuen Präsidenten. Die Kammer vertritt die Interessen aller rund 67.000 Apotheker in Deutschland. Benkert ist Präsident der Bayerischen Landesapothekerkammer und seit 2012 Vizepräsident der BAK. Er folgt auf Dr. Andreas Kiefer, der im September verstorben ist. Zur Vizepräsidentin wurde Ursula Funke gewählt , die bereits seit 2016 Mitglied des Geschäftsführenden Vorstands der BAK ist. Erster Beisitzer bleibt Dr. Dr. Georg Engel. Die angestellten Apotheker werden vertreten durch Dr. Hannes Müller als zweitem Beisitzer, der ebenfalls wiedergewählt wurde. Zum dritten Beisitzer wurde Dr. Armin Hoffmann neu gewählt.

Die Amtsperiode des fünfköpfigen geschäftsführenden Vorstands beginnt im Januar 2021 und dauert vier Jahre. Die BAK befasst sich als berufspolitische Interessenvertretung mit Fragen der Aus-, Fort- und Weiterbildung, mit dem Berufsrecht und Fragen der Arzneimittelsicherheit und der pharmazeutischen Qualität. Mitglieder sind die 17 Landesapothekerkammern.

Pressemitteilung vom 26.11.2020

 

ZWEITE UMFRAGE ZUM STATUS QUO DES ARBEITSSCHUTZES IN DER CORONA-PANDEMIE

Im Mai hat der Verband medizinischer Fachberufe (VmF) Berufsangehörigen – Medizinische, Tiermedizinische und Zahnmedizinische Fachangestellte sowie angestellte Zahntechniker*innen – online gefragt, wo die größten Probleme beim Arbeitsschutz liegen und was sie in diesen schwierigen Zeiten der Pandemie beschäftigt. Nun ist der VmF daran interessiert, wie sich die Lage entwickelt hat. Ihre Meinung und Einschätzung sind für den VmF wichtig, damit an den richtigen Stellen nachgehakt und Forderungen zum Arbeitsschutz gegenüber den Verantwortlichen gestellt werden können. Die Umfrage ist bis 20.01.2021 online. Die Ergebnisse der Umfrage werden nicht auf einzelne Personen zurückzuführen sein.

Kontakt für Rückfragen: Heike Rösch, presse@vmf-online.de, Tel. (0 61 98) 575 98 78

Umfrage des VmF

 


Inhalte Deutsches Tierärzteblatt Januar 2021

 

Amtliche Schlachttier- und Fleischuntersuchung

Mit einer länderübergreifenden Fragebogenaktion hat die BTK Daten zur Situation der Arbeits- und Vergütungsverhältnisse sowie der Altersstruktur der in der amtlichen Schlachttier- und Fleischuntersuchung tätigen Tierärzte erhoben. Die Umfrageergebnisse und die sich daraus ergebenden Forderungen sind hier von einem Autorenteam des Ausschusses zusammengefasst.

Lieferkette von Tierarzneimitteln

Um die Herausforderungen der COVID-19-Krise für die Tierarzneimittelhersteller und ihre Lieferanten zu untersuchen, haben BTK und der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) gemeinsam eine Umfrage durchgeführt. Es sollte ermittelt werden, welche Probleme im Zusammenhang mit Lieferengpässen und Störungen in der Lieferkette auftreten und wie damit umgegangen wird. Das Umfrageergebnis ist hier von Dr. Jens Peter und Dr. Ilka Emmerich zusammengefasst.

Zecken in Deutschland

Nach einer Studie der Tierärztlichen Hochschule Hannover ist die Wiesenzecke mittlerweile im gesamten Bundesgebiet verbreitet. Eine wichtige Erkenntnis, da sie für verschiedene Pathogene von Tier und Mensch als Vektor dienen kann, darunter die immer häufiger auftretende Babesiose, wie Prof. Dr. Christina Strube und Dr. Andrea Springer hier erläutern.

Empfehlungen zur Desinfektion bei Tierseuchen

Die im Jahre 1993 veröffentlichte „Richtlinie des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz über Mittel und Verfahren für die Durchführung der Desinfektion bei anzeigepflichtigen Tierseuchen" wurde aufgrund der technischen Fortentwicklung der Tierhaltung und gravierender Neuerungen im Biozidrecht überarbeitet und aktualisiert. Hier gibt ein Autorenteam um Prof. Dr. Christian Menge eine Übersicht über die Hintergründe der Überarbeitung und die wichtigsten Neuerungen.

Gute Veterinärmedizinische Praxis

Dieser Erfahrungsbericht von Dr. Janin Kröll zeigt, wie GVP (Gute Veterinärmedizinische Praxis) mit Effizienz zu Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit führt.

Serie Pharmakovigilanz

In dieser Folge berichtet das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit u. a. über unerwünschte Arzneimittelwirkungen nach meist akzidentieller Anwendung von Tierarzneimitteln beim Menschen.

Termine 2020

 
13. Januar Präsidium Webkonferenz
14. Januar  Ad-hoc-AG GOT Telefonkonferenz
25. Januar Ad-hoc-AG GOT Telefonkonferenz
27. Januar Ad-hoc-AG GOT Telefonkonferenz
28. Januar Ad-hoc-AG Telemedizin Videokonferenz



Termine ATF-Fortbildungen/Gemeinschaftsveranstaltungen

Präsenzveranstaltungen

Online-Fortbildungen

 

 

Bleiben Sie gesund!

 

Mit freundlichen Grüßen
Ihre BTK-Geschäftsstelle

 

*Quellen der jeweiligen Artikel sind die angegebenen Links.