Weniger Bürokratie. Mehr Tiermedizin.

Parlamentarischer Abend: Versorgung stärken, Daten besser nutzen, Schutzstandards sichern

BTK Berlin (15.10.2026)

Unter dem Motto „Zukunft der Tiermedizin – Entlasten. Digitalisieren. Versorgen.“ forderte die Bundestierärztekammer (BTK) bei ihrem Parlamentarischen Abend am 14. Oktober 2026 weniger Verwaltungsaufwand, eine bessere Nutzung vorhandener Daten und klare Rahmenbedingungen für neue Technologien. 

Grußworte hielten Schirmherrin Dr. Franziska Kersten, MdB, sowie Hermann Färber, MdB, Vorsitzender des Ausschusses für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat des Deutschen Bundestags. Dieser würdigte die gesellschaftliche Bedeutung der tierärztlichen Arbeit. Die Tierärzteschaft schütze nicht nur die Gesundheit der Tiere, sondern sichere auch die Versorgung mit wertvollen Lebensmitteln tierischen Ursprungs. Dabei habe sie im Sinne des One-Health-Konzepts die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt im Blick. Für diese wertvolle Arbeit dankte er im Namen der Abgeordneten. Dr. Kersten unterstrich die Systemrelevanz der Tierärzteschaft: Tierärzt:innen seien eine entscheidende Stütze des Gemeinwesens und Garanten für die Gesundheit von Haus- und Nutztieren. Ihre Arbeit sei unverzichtbar für aktiven Tierschutz, eine funktionierende Landwirtschaft, die öffentliche Gesundheit und die Sicherheit der Lebensmittel sowie für die Prävention von Seuchen und Zoonosen.

BTK-Präsident Ltd. VD Dr. Holger Vogel machte deutlich: „Unser Maßstab ist deshalb nicht die Zahl der gestrichenen Vorschriften. Unser Maßstab ist, ob Verfahren besser werden, ohne Schutzstandards zu schwächen.“

Entlasten: Verfahren vereinfachen, wirksamen Schutz erhalten

Die BTK fordert einheitliche Regeln zur Anerkennung und Qualitätssicherung von Sachkundenachweisen im Tierschutz sowie die Anerkennung gleichwertiger Qualifikationen. Außerdem setzt sie sich für ein bundesweites Register für Tierhaltungsverbote und eine gesetzliche Regelung zur sofortigen Vollziehung bestimmter tierschutzrechtlicher Maßnahmen ein. Im Fleischhygienerecht fordert die BTK den Abbau doppelter Dokumentations- und Nachweispflichten. Die amtliche Fleischuntersuchung bei Hausschlachtungen von Huftieren sowie die Trichinenuntersuchung müssen erhalten bleiben. Änderungen der Untersuchungsverfahren setzen eine belastbare Risikobewertung und mindestens gleichwertigen Schutz voraus.

Digitalisieren: Vorhandene Daten nutzbar machen

Für gezieltere Kontrollen müssen vorhandene Gesundheits-, Behandlungs- und Schlachtdaten systematisch genutzt werden. Die BTK-Fachausschüsse fordern deshalb eine zentrale Tiergesundheitsdatenbank. Fernunterstützte Verfahren und künstliche Intelligenz in der Schlachttier- und Fleischuntersuchung bieten Entlastungspotenzial. Voraussetzung sind eine belastbare fachliche Grundlage, zuverlässige Technik, qualifiziertes Personal und validierte Systeme. Die fachliche Verantwortung muss bei den amtlichen Tierärzt:innen bleiben.

Versorgen: Tiermedizin als Teil der Daseinsvorsorge stärken

Praxen, Kliniken und Veterinärbehörden sind unverzichtbar für Prävention, Tierseuchenbekämpfung und Lebensmittelsicherheit. Die BTK fordert deshalb, die Tierärzteschaft stärker in Diskussionen über krisenfeste Lieferketten und die Sicherung der Lebensmittelversorgung einzubeziehen. Bürokratieabbau und Digitalisierung ersetzen weder qualifiziertes Personal noch gute Arbeitsbedingungen. Zudem fordert die BTK eine bessere Absicherung selbstständiger Tierärztinnen während der Schwangerschaft und nach der Geburt, um Mutterschutz und die Verantwortung für eine Praxis vereinbar zu machen.

Die BTK appellierte an Politik und Verwaltung, die Tierärzteschaft frühzeitig in die Entwicklung neuer Regelungen einzubeziehen. „Nicht weniger Schutz, sondern weniger vermeidbarer Aufwand. Nicht Digitalisierung um ihrer selbst willen, sondern ein spürbarer Nutzen für die tierärztliche Arbeit“, betonte Dr. Vogel.

 

Weitere Fotos von der Veranstaltung folgen zeitnah hier.

 

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